Kontrolle mit Smartphone

Polizei kündigt "Revolution" bei Fahndungstechnik an

Mit "BioCapture" kann die Polizei Fingerabdrücke direkt vor Ort per Diensthandy erfassen und Personen in Minuten eindeutig identifizieren.
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Österreichs Polizei setzt bei der Identitätsfeststellung auf eine neue Technik. Diese wurde am Montag u.a. von Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und dem Direktor des Bundeskriminalamtes (BKA) Andreas Holzer präsentiert.

Die Anwendung soll vor allem dann helfen, wenn sich Personen nicht ausweisen können oder falsche Angaben machen. Polizisten können Fingerabdrücke kontaktlos mit dem Diensthandy scannen und direkt mit bestehenden Datenbanken abgleichen. So lässt sich rasch prüfen, ob nach einer Person gefahndet wird oder ob sie sich rechtmäßig in Österreich aufhält.

System über mehrere Jahre entwickelt

Für die Exekutive bringt das eigenen Angaben zufolge einen großen Vorteil: Angehaltene müssen nicht mehr extra auf eine Dienststelle gebracht werden, nur um ihre Identität zu klären. Die Entscheidung über weitere Maßnahmen kann sofort vor Ort fallen. Karner sprach bei der Präsentation von einer "kleinen internationalen Sensation" und betonte: "Die Fahndung nach Kriminellen wird noch moderner, schneller und effizienter."

Auch für kontrollierte Personen soll die Neuerung Erleichterung bringen. Wer keine Ausweise dabei hat, kann direkt an Ort und Stelle überprüft werden und muss nicht automatisch mit auf die Polizeiinspektion.

Laut Innenministerium wurde "BioCapture" über mehrere Jahre entwickelt, getestet und auch rechtlich in die polizeilichen Anwendungen eingebaut. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem Datenschutz. Die erfassten Fingerabdrücke werden demnach nur für den unmittelbaren Abgleich verwendet, nicht gespeichert und nach Abschluss des Vorgangs wieder gelöscht.

Seit Monaten im Einsatz getestet

Seit August 2025 läuft die Technologie bereits bei ausgewählten Einheiten wie der Fremdenpolizei im Einsatz. Seit Anfang März 2026 testet auch die Bereitschaftseinheit Wien das System. Die ersten Ergebnisse fallen deutlich aus: Bei 643 Kontrollen gab es laut Bundeskriminalamt 170 Treffer im AFIS-System. Mehrere gesuchte Personen konnten trotz falscher Angaben identifiziert werden. Auch ein mutmaßlicher Drogendealer wurde so ausgeforscht und festgenommen.

BKA-Direktor Andreas Holzer zieht deshalb eine klare erste Bilanz: Die einfache Handhabung, die hohe Geschwindigkeit und die starke Trefferquote würden die Arbeit im Außendienst massiv erleichtern. Bis Ende 2026 soll die Technik österreichweit auf allen Diensthandys der Polizei verfügbar sein.

Österreich will Technologie bei Vereinten Nationen präsentieren

Entwickelt wurde "BioCapture" gemeinsam vom Bundeskriminalamt, dem AIT Austrian Institute of Technology und weiteren Forschungspartnern. Das Projekt sorgt auch international für Aufsehen. Österreich will die Technologie sogar bei einer UNO-Veranstaltung in New York vorstellen.

AIT-Manager Helmut Leopold sieht darin auch einen strategischen Vorteil: Österreich solle solche Systeme nicht bloß einkaufen, sondern selbst entwickeln, um digitale Souveränität zu sichern.

Schon der nächste Schritt ist geplant. Ab 2027 soll "BioCapture" an europäische biometrische Systeme angebunden werden. Dann wäre ein Zugriff auf einen Datenbestand von bis zu 400 Millionen Personen möglich - ein massiver Ausbau für die internationale Polizeiarbeit.

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