Zuletzt wurde der bisher höchste Corona-Negativrekord verzeichnet. 9262 Neuinfektionen mit dem Coronavirus wurden innerhalb von nur 24 Stunden registriert, wobei 44 Menschen an den Folgen des Virus starben.
Am Donnerstag tagte abermals die Corona-Ampel-Kommission. Wenig überraschend: Die Corona-Ampel bleibt österreichweit auch weiterhin auf "Rot". Im Rahmen der Kommissionssitzung wurden aber auch weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus besprochen. Kommt der Schul-Shutdown, oder bleiben die Schulen weiterhin offen? Wird der Lockdown light jetzt doch noch zum Lockdown hard? Ob bzw. welche zusätzlichen Einschränkungen kommen, wird die Regierung am Samstag verkünden.
Wie dramatisch die Lage in Österreich ist, erklärten am Donnerstagabend bei der "Zeit im Bild" mit Lou Lorenz-Dittlbacher der Infektiologe Günter Weiss sowie der Statistiker Erich Neuwirth.
Der Infektiologe Günter Weiss von der Meduni Innsbruck schilderte die Situation in Tirol. Er erklärte, dass viele Abteilungen im Krankenhaus geschlossen bzw. umfunktioniert werden mussten, um Platz für Covid-Patienten zu schaffen. Es fehle nicht mehr viel zur Überlastung, vor allem wenn sich der Trend so weiterentwickle. Derzeit seien etwa 60% der Covid-Betten belegt. Die Lage sei angespannt. Auch wenn es bei dem jetzigen Niveau bleiben sollte, so Weiss, könne man nur die nächsten vier Monate so weiterarbeiten. Die Zahlen müssen nach unten gebracht werden.
Sofern sich die Lage allerdings weiter verschlimmern sollte, kann es durchaus passieren, dass Behandlungen in bestimmten Bereichen nicht mehr so vollzogen werden können, wie man es bisher in Österreich gewohnt war, denn es "ist fünf vor zwölf". Dann könnte das von Kurz gefürchtete Szenario eintreten, welches er um jeden Preis verhindern will: nämlich, dass Ärzte wählen müssen, wen sie behandeln.
Menschen, die das Virus unterschätzen, sollen "ins Krankenhaus kommen" und sich selbst vor Ort vom Ernst der Lage überzeugen. Er appelliert an alle und empfiehlt die Hygienemaßnahmen einzuhalten und die Kontakte der Solidarität wegen zu verringern. Denn: "Der Hut brennt".
Eine Verschärfung der Maßnahmen befürwortet er allerdings nicht zwingend. Der Infektiologe glaubt "an das Gute im Menschen" und hofft, dass ein Appell an die Vernunft (auch jener, die das Virus derzeit noch unterschätzen) ausreiche und es zu keiner weiteren Verschärfung (insbesondere Schulschließung) kommen soll.
Die Lage sei "sehr, sehr dramatisch", sagte der Statistiker Erich Neuwirth angesichts der heutigen Zahlen.
Er erklärte, dass das jetzige Szenario hätte verhindert bzw. entschärft werden können, sofern früher gehandelt worden wäre. "Es ist zu spät etwas getan worden", schilderte er und erklärte, dass ein Lockdown viel mehr gebracht hätte, wäre er beispielsweise vor zwei oder drei Wochen verhängt worden. Der Beginn der Herbstferien wäre laut ihm ein gutes Stichdatum gewesen. Denn "dann hätte man die Schulschließung automatisch dazu gehabt und hätte jetzt die Diskussion nicht". Es wäre von Vorteil gewesen auch die Kinder daheim zu lassen.
Die von vielen angesprochen Tatsache, dass Kinder nicht am Infektionsgeschehen beteiligt seien, kann der Statistiker nicht belegen. Er habe drei Studien aus drei verschiedenen Ländern gelesen. Alle seien zum gleichen Schluss gekommen, nämlich, dass Kinder durchaus eine Rolle im Infektionsgeschehen spielen. Zwar werde nicht erwähnt wie groß deren Rolle sei, aber dass die Kinder gar keine Rolle spielen, stimme einfach nicht.