Weltpremiere – Blinde kann dank Implantat wieder sehen

Bernadeta Gómez aus Spanien mit der Sehprothese. 
Bernadeta Gómez aus Spanien mit der Sehprothese. Moran Eye Center
Bernadeta Gómez erblindete vor 16 Jahren. In einem Pilotprojekt wurde ihr weltweit als Erste eine Sehprotese implantiert - mit gutem Erfolg.

16 Jahre ist es her, dass Bernadeta Gómez aus Spanien innerhalb weniger Tage vollständig erblindete. Eine  toxische Optikusneuropathie hatte die Verbindung von ihren Augen zum Gehirn getrennt. Und obwohl keine Signale mehr von ihren Augen ihr Gehirn erreichten, nahm sie ab und zu so genannte Phosphene wahr: Das sind Lichterscheinungen, die auf eine besondere Stimulation zurückgehen. Einen ähnlichen Effekt erreichen wir, wenn wir die Augen schließen und vorsichtig auf die Augäpfel drücken.

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Weltpremiere

Die 58-Jährige ist die erste Person der Welt, die ein im Gehirn angebrachtes Sehimplantat bekommen hat. Im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation haben die Wissenschaftler nun die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlicht. Die Studie fördert einen "lang gehegten Traum von Wissenschaftlern", blinden Menschen eine rudimentäre Form des Sehens zu verleihen, indem Informationen direkt an den visuellen Cortex des Gehirns (Bereich des Gehirns) gesendet werden.

Gomez testete erfolgreich die Moran|Cortivis-Prothese, die vom John A. Moran Eye Center-Forscher Richard Normann, PhD , entwickelt wurde, um zum ersten Mal künstliches Sehen zu erzeugen. In dem Experiment implantierte ein Neurochirurg einen Chip mit 96 Mikroelektroden durch ein 1,5 Zentimeter großes Loch direkt in den visuellen Gehirn-Cortex von Berna Gómez. Das Implantat wurde dann mit einer Miniatur-Videokamera gekoppelt, die in der Mitte einer Brille angebracht war.

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Positive Ergebnisse

Dieser Chip war konnte sowohl die elektrische Aktivität der Nervenzellen aufzeichnen als auch stimulieren und durch diese Stimulation gezielt Phosphene auszulösen. Je nachdem, wie und wo genau die Elektroden Signale sendeten, nahm Gómez unterschiedliche Lichtpunkte wahr. Nach rund zwei Monaten täglichen Trainings war sie in der Lage, diese gezielt erzeugten Phosphene von spontan auftretenden zu unterscheiden und zu erkennen, wie sie sich zu Formen zusammenfügten. Die Stimulation zeichnete so in ihrem Gehirn die Bilder in rudimentärer Form nach, die die Kamera auf der Spezialbrille aufnahm.

Nach einer Trainingsphase war Gómez in der Lage, visuelle Informationen zu entziffern, die von der Kamera direkt in ihr Gehirn eingespeist wurden. Das Training beinhaltete ein Videospiel, das Gómez half zu lernen, wie man die Signale der Elektroden interpretiert. Im Spiel zeigt ein Bildschirm plötzlich ein Bild von Maggie Simpson, die eine Waffe in der linken oder rechten Hand hält. Der Spieler muss richtig auswählen, welche Hand die Waffe hält. Gomez meisterte diese Aufgabe erfolgreich.

Einige der Wirkungen der Prothese waren begrenzt. Es ließ Gómez beispielsweise nicht alle Buchstaben des Alphabets identifizieren. Aber sie "unterscheide zuverlässig einige Buchstaben wie 'I', 'L', 'C', 'V' und 'O'", so die Studie.

Mehr Bewegungsfreiheit für Blinde

In weiteren Studien möchte das Team daran arbeiten, die räumliche Auflösung der erzeugten Bilder zu verbessern und das System mit mehr Probanden und über einen längeren Zeitraum testen. "Ein Ziel dieser Forschung ist es, blinden Menschen mehr Mobilität zu ermöglichen“, sagt Richard Normann, Forscher am John A. Moran Eye Center der University of Utah. "Es könnte ihnen ermöglichen, eine Person, Türen oder Autos leicht zu identifizieren. Es könnte die Unabhängigkeit und Sicherheit erhöhen. Darauf arbeiten wir hin."

Sehbehinderung ist eine der häufigsten Behinderungen der Welt. Die Methode, die Augen vollständig zu umgehen, könnte eines Tages etwa 148 Millionen Menschen weltweit das Sehvermögen wiederherstellen – so vielen Menschen wurde die Verbindung zwischen ihren Augen und ihrem Gehirn aufgrund von Erkrankungen wie Glaukom oder Sehnervenatrophie durchtrennt, sagen die Forscher.

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