Ein Thriller, der auf drei Kontinenten spielte, und an dessen Auflösung Hunderte Ermittlungsexperten aus aller Welt arbeiteten, hatte seinen Ursprung in Wien. Eine Woche lang bangte die Familie um Mali Yahalomi (50) und ihre Tochter Liel (23), die in Wien scheinbar eine Woche lang spurlos verschwunden waren.
"Auch jetzt, und trotz der Befragung, ist das Motiv für die Ausreise von Mali und Liel Yahalomi aus dem Land unklar", sagt ein hochrangiger Polizeivertreter dem israelischen News-Portal Ynet.
In israelischen Medien kursieren inzwischen unterschiedliche Erklärungen. Haaretz zitierte eine Polizeiquelle, wonach die beiden nach Argentinien gereist seien, um zu verschwinden und "ein neues Leben zu beginnen".
Andere israelische Medien berichteten, dass finanzielle Probleme beziehungsweise wachsende Schulden in Israel der Hintergrund gewesen sein könnten.
Bestätigt ist das alles nicht. Laut dem hochrangigen Polizeivertreter ist das Motiv auch nach der Befragung der beiden Frauen weiterhin unklar.
Besonders bitter: Malis Bruder Ronen war selbst nach Wien gereist, um bei der Suche nach seiner Schwester und seiner Nichte zu helfen. Noch wenige Stunden vor dem Auffinden der beiden sprach er mit "Heute".
"Vergangenen Sonntag begann das Drama, da hätten wir uns hören sollen – es kam aber kein Anruf. Das war seltsam, wir haben sonst immer Kontakt, wenn es ausgemacht ist", sagte der israelische Filmemacher.
Zunächst hoffte er noch auf eine harmlose Erklärung ("Akku leer, kein Wifi"). Doch als Mali und Liel am Dienstag nicht wie geplant von Prag nach Israel zurückflogen, wurde aus der Sorge Angst: "Ab dem Moment machten wir uns wirklich große Sorgen", sagte Ronen.
Er flog nach Wien, hielt Kontakt mit Behörden und Botschaft und versuchte selbst, Hinweise auf den Verbleib der beiden zu finden, erzählte er "Heute": "Ich versuche bei der Suche zu helfen. Halte Kontakt zu Behörden, zur Botschaft, ich rede mit vielen Leuten, es war mir wichtig, etwas zu tun."
Er wiederholte mehrmals: "Ich will wissen, dass es ihnen gut geht." Dass Mali und Liel freiwillig den Kontakt abbrechen könnten, konnte er sich kaum vorstellen. "So etwas war in unserer Familie undenkbar."
Dann kam die überraschende Wende. Die beiden Frauen wurden in Argentinien gefunden. Von der Polizei veröffentlichte Aufnahmen zeigen, wie Polizisten, darunter Vertreter aus Israel und von Interpol, einen Bus betreten und sich Mali und Liel vorstellen. Die beiden wirkten überrascht, fast geschockt.
Für Bruder Ronen endet damit zumindest die quälende Ungewissheit darüber, ob Mali und Liel etwas zugestoßen ist. Noch vor ihrem Auffinden hatte er "Heute" gesagt: "Ich glaube, alles ist möglich – ich denke pausenlos nach. Im Kopf dreht sich alles – immer und immer wieder."