Unterschätzte Gefahr

"Wenige Sekunden" – ÖAMTC warnt jetzt alle Autofahrer

Mit den ersten warmen Tagen steigt auch die Unfallgefahr im Straßenverkehr. Vor allem die tiefstehende Sonne kann rasch zur Gefahr werden.
André Wilding
10.03.2026, 10:38
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Mit dem Frühling steigt nicht nur die Zahl der Sonnenstunden, sondern auch das Unfallrisiko im Straßenverkehr. Besonders in den Morgen- und Abendstunden kann die noch tiefstehende Sonne für gefährliche Blendungen sorgen. Verkehrszeichen, Ampeln, Fußgänger, Radfahrende oder entgegenkommende Fahrzeuge werden dadurch oft deutlich später oder gar nicht erkannt.

Gleißendes Licht

"Schon wenige Sekunden ohne klare Sicht können dramatische Folgen haben. Wer bei 50 km/h nur eine Sekunde nichts sieht, legt fast 14 Meter im Blindflug zurück – bei 100 km/h sind es rund 30 Meter", warnt Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin beim ÖAMTC. "Besonders tückisch sind Situationen, in denen man nach Kurven oder bei Tunnelausfahrten aus dem Schatten in gleißendes Licht fährt.

Darüber hinaus sind nun auch wieder vermehrt Motorrad- und Fahrradfahrende unterwegs. Ihre schmale Silhouette wird bei starkem Gegenlicht leicht übersehen – genau wie die von Fußgänger. Zudem wird laut ÖAMTC-Untersuchung an Kreuzungen besonders die Geschwindigkeit von Motorradfahrern oft unterschätzt, blendendes Licht kann diesen Effekt zusätzlich verstärken."

2024 kam es österreichweit zu 1.720 Unfällen mit Personenschaden bei blendender Sonne. Dabei wurden 416 Menschen schwer verletzt und 17 Menschen verloren ihr Leben (Quelle: Statistik Austria / Bearbeitung ÖAMTC). "Ab April stiegen die Zahlen der Unfälle bei blendender Sonne schlagartig an – von 57 im März auf insgesamt 192 im darauffolgenden April. Über den Sommer hinweg bleibt das Niveau der Unfallzahlen dann in der Regel konstant hoch", führt Seidenberger aus.

Tempo reduzieren und Abstand vergrößern

Gerade bei eingeschränkter Sicht gilt es, Geschwindigkeit und Fahrweise konsequent anzupassen. "Wer geblendet wird, braucht Zeit, bis sich das Auge wieder an die Lichtverhältnisse angepasst hat. In dieser Phase ist das Unfallrisiko besonders hoch", so die Expertin. Sie empfiehlt daher, Tempo zu reduzieren, ausreichend Abstand zu halten und besonders vorausschauend zu fahren.

Marion Seidenberger
stefanjoham

Wird das Fahrverhalten nicht an die Sichtverhältnisse angepasst, können darüber hinaus auch versicherungsrechtliche Konsequenzen drohen und es kann zu Leistungskürzungen durch die Versicherung kommen. "Blendung ist grundsätzlich keine Ausrede. Wer weiß, dass die Sonne tief steht, muss sein Fahrverhalten umgehend anpassen", so Seidenberger. Auch mit der Sonne im Rücken bleibt das Risiko bestehen, da dann entgegenkommende Verkehrsteilnehmer:innen geblendet werden könnten.

Sonnenblende, saubere Scheiben und gute Sicht

Als erste Maßnahme bei blendender Sonne sollte sofort die Sonnenblende genutzt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, eine Sonnenbrille stets griffbereit im Fahrzeug zu haben. Entspiegelte oder polarisierte Gläser können störende Lichtreflexe deutlich reduzieren, insbesondere auf nasser Fahrbahn oder bei spiegelnden Oberflächen. "Wichtig ist jedoch auch, die Sonnenbrille abzunehmen, sobald die unmittelbare Blendungssituation vorbei ist, um eine unnötige Abdunkelung der Umgebung zu vermeiden", stellt die Verkehrspsychologin klar.

Ebenso entscheidend ist eine saubere Windschutzscheibe – innen wie außen. Schmutz, Schlieren oder Staubpartikel streuen das einfallende Licht und verstärken die Blendwirkung zusätzlich. Regelmäßig nachgefülltes Scheibenwischwasser unterstützt dabei, rasch für klare Sicht zu sorgen. Eingeschaltetes Abblend- oder Tagfahrlicht erhöht zudem die eigene Sichtbarkeit. Wer regelmäßig unter starker Lichtempfindlichkeit oder schmerzenden Augen leidet, sollte dies augenärztlich abklären lassen.

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