Nach seinem klaren Wahlsieg macht Peter Magyar Tempo: Der Gewinner der ungarischen Parlamentswahl will rasch die Regierung übernehmen und Viktor Orbán ablösen. Bereits am Montag wandte er sich an das Staatsoberhaupt mit der Forderung, das Parlament "so schnell wie möglich" einzuberufen, um die Regierungsbildung einzuleiten. Ziel sei es, das Amt des Ministerpräsidenten schon am 5. Mai zu übernehmen.
Bei seinem ersten Auftritt nach der Wahl zeigte sich der Chef der Tisza-Partei selbstbewusst. Man habe "ein beispielloses Mandat" erhalten, erklärte er vor Journalisten. "Die Ungarn haben nicht für einen einfachen Regierungswechsel gestimmt, sondern für eine komplette Regimeänderung", sagte er.
Auch außenpolitisch setzte Magyar erste Akzente – und ließ dabei Gesprächsbereitschaft gegenüber Moskau erkennen. "Wenn Wladimir Putin anruft, werde ich den Hörer abnehmen", sagte der ungarische Wahlsieger am Montag bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Erdrutschsieg.
Ein mögliches Gespräch mit dem Kreml-Chef würde er klar nutzen, um seine Position zu verdeutlichen. "Ich könnte ich ihm sagen, dass es nett wäre, das Töten nach vier Jahren zu beenden und den Krieg zu beenden", erklärte er. Gleichzeitig zeigte er sich realistisch: "Es wäre wahrscheinlich ein kurzes Telefonat und ich denke nicht, dass er den Krieg auf meinen Rat beenden würde."
In der Energiepolitik kündigte Magyar eine Neuausrichtung an. Ungarns Vereinbarungen mit Russland sollen auf den Prüfstand kommen: Man werde "alle Verträge" über Energielieferungen prüfen, neu verhandeln und sie "wenn nötig" beenden.
Zur europäischen Perspektive der Ukraine äußerte sich der Wahlsieger zurückhaltend. Einen schnellen EU-Beitritt noch während des Krieges lehnt er ab. "Wir sprechen über ein Land im Krieg", sagte Magyar in Budapest. "Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass die Europäische Union ein Land im Krieg aufnimmt."