"Werd glei haas": Polizist schimpft Anwälte "Trotteln"

Star-Anwalt Werner Tomanek (r.) – hier mit seinem Berufskollegen Mathias Burger – brachte Lautsprecher mit
Star-Anwalt Werner Tomanek (r.) – hier mit seinem Berufskollegen Mathias Burger – brachte Lautsprecher mit
Denise Auer
Star-Verteidiger Werner Tomanek ist es gewöhnt, vor Gericht Gehör zu finden. Am Montag rückte er mit Lautsprecher – und einem brisanten Telefonat an.

Wo dieser Drogen-Fahnder ermittelt, wächst kein Gras mehr. Im seit Jahren andauernden Pleiten-, Pech- und Pannenverfahren gegen den mutmaßlichen "Drogenbaron" Boban J. blüht nach einem wohl erfundenen Drogen-Doppelboden im BMW, zu langsamen Ermittlungen, dubioser Kronzeugen und rassistischer Bezeichnung der Polizei-Aktion ("Operation Roma") nun das nächste Unheil. Um einen vermeintlichen Kronzeugen zu einer Aussage zu bewegen, kontaktierte der Beamte (Name der Redaktion bekannt) die (mittlerweile Ex-) Freundin des Verdächtigen am Telefon.

Gespräch aufgezeichnet

Das Telefonat wurde mitgeschnitten. Zwei daraus resultierende und höchst amüsante Audiofiles landeten beim Wiener Star-Anwalt Werner Tomanek. Dieser rückte am Montag mit Tonband und Lautsprecher im Großen Schwurgerichtssaal des Landsgerichts an. Dort wurde ein eigentlich stinklangweiliger Nebenschauplatz des schillerenden Falls (Boban J. soll sich zum Millionär gedealt haben und Ferrari fahren, es gilt die Unschuldsvermutung) verhandelt. Dank der aufgezeichneten fragwürdigen Aussagen des Ermittlers wurde der Verhandlungstag für Kiebitze dennoch zum Ohrenschmaus.

Zeugenschutzprogramm avisiert

"Er soll vernünftig sein. Das ist jetzt kein Spiel", begann der Kripo-Mann das Telefongespräch mit der Lebensgefährtin seines Wunsch-Kronzeugen. "Is erm jetz’a sein weiteres Leben ned wichtig?", fragte er beinahe schon fürsorglich. Um Augenblicke später zu drohen: "Er braucht net glauben, dass in Serbien die Spezialeinheiten für Drogen sich nicht für ihn interessieren."

Polizist am Telefon: "Das Angebot steht, kurze Zeit nur."

Laut der Zeugin, die am Montag vor Gericht aussagte, war der Deal klar: Aussage gegen Zeugenschutzprogramm und Aufenthaltstitel. Der Ermittler in seinen eigenen Worten: "Das Angebot steht, kurze Zeit nur. Er soll sich’s überlegen." Nachfrage der verdutzten Frau am Telefon: "Was soll er von sich sagen?"

Was soll er von sich sagen? "(...) und, dass er weiß, dass der Auftraggeber Sasa, Boban und Milorad sind … sog's erm."

Antwort: "Die Wahrheit, ganz einfach. Mehr soll er ned sagen (...) und, dass er weiß, dass der Auftraggeber Sasa, Boban und Milorad sind … sog's erm."
"Sag ihm, dass das Angebot steht, wenn er drauf ist, soll er sich melden. Maximal zwei Wochen, ansonsten is vorbei. Oder eine Wochen."

Der Kripo-Beamte: "Er braucht ned glauben, dass erm die Anwälte J. oder wie die ganzen Trotteln haßen, höfen werden …"

Die Verteidiger-Riege beflegelte der Polizist in dem Gespräch wüst: "Und er braucht ned glauben, dass erm die Anwälte J. oder wie die ganzen Trotteln haßen, höfen werden, die lassen ihn als ersten fallen. Am Ende donnert der Fahnder: "Jetzt red mit erm und jetzt aus. Ich werd gleich haas.“

Sollte Kronzeuge im Verfahren gegen Drogenbaron werden: Marko K.
Sollte Kronzeuge im Verfahren gegen Drogenbaron werden: Marko K.
Denise Auer

"Kronzeuge" Marko K., der als "Gärtner" in einer Plantage von Boban J. tätig gewesen sein soll, bestreitet dies. Er könne daher auch nichts Belastendes über den mutmaßlichen Drogenbaron aussagen. Fortsetzung folgt in dem langwierigen Rechtsstreit garantiert.

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