Wien macht ernst beim Schutz seiner Bäume – und das spült ordentlich Geld in die Stadtkasse. Mehr als zwölf Millionen Euro nahm die Stadt im vergangenen Jahr durch das Baumschutzgesetz ein. Der Grund: Seit einer Verschärfung der Regeln im Jahr 2024 wird es deutlich teurer, wenn gefällte Bäume nicht ersetzt werden.
Wer in Wien zur Säge greift, muss normalerweise nachpflanzen. Faustregel: Für jeweils 15 Zentimeter Stammumfang eines gefällten Baumes ist ein neuer zu setzen. Wer darauf verzichtet, zahlt. Und das hat es in sich: Statt früher rund 1.000 Euro werden jetzt 5.000 Euro pro fehlendem Ersatzbaum fällig.
Im Vorjahr wurden 11.257 Baumfällungen beantragt, gut 9.100 davon genehmigt, wie ORF Wien berichtete. Dabei ordnete die Stadt fast 12.000 Ersatzpflanzungen an. In etwa 2.400 Fällen entschieden sich die Betroffenen lieber fürs Zahlen als fürs Pflanzen.
Die Bereitschaft, tatsächlich neue Bäume zu setzen, ist gestiegen. Während früher etwa jede dritte Ersatzpflanzung durch eine Zahlung vermieden wurde, passiert das mittlerweile nur noch in etwa jedem fünften Fall. Ein Vergleich zeigt den Wandel: 2023 wurden rund 9.600 Ersatzpflanzungen vorgeschrieben, bei etwa 3.300 davon wurde gezahlt statt gepflanzt. 2022 sah es ähnlich aus.
Das eingenommene Geld darf die Stadt nicht frei verwenden. Laut Gesetz ist es ausschließlich für Maßnahmen rund um den Baumschutz vorgesehen – also etwa für Neupflanzungen oder Pflege bestehender Bäume.
Schon im Übergangsjahr 2024, als alte und neue Regelungen zusammenwirkten, schnellten die Einnahmen auf über 8,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: In den Jahren davor lagen sie bei rund 3,6 Millionen jährlich.
Interessant ist auch die Entwicklung bei den Fällungen selbst. 2024 wurden rund 11.700 genehmigt, deutlich mehr als im Jahr davor mit etwa 8.500. Laut Stadt hat das jedoch nichts mit einem "Schnell noch vorher"-Effekt zu tun. Die strengeren Regeln seien rasch eingeführt worden, um genau das zu verhindern. Schwankungen ergeben sich vielmehr durch große Bauprojekte – wie etwa die Sanierung der A4, bei der viele Bäume weichen mussten.
Mit der Gesetzesnovelle wurde nicht nur das Zahlen teurer. Auch die Anforderungen an Ersatzpflanzungen wurden erhöht: Es müssen größere, sofort klimawirksame Bäume gesetzt werden. Zudem gilt eine Pflegepflicht von zehn Jahren statt bisher fünf.
Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert empfindliche Strafen. Geldbußen können bis zu 70.000 Euro betragen. Wer ohne Genehmigung mehr als 20 Bäume fällt, muss sogar mit bis zu sechs Monaten Haft rechnen. Allein 2025 gab es bereits über 100 rechtskräftige Strafen.