"Das ist ungerecht"

Wienerin klagt Stadt wegen 50 Cent WC-Gebühr

Eine Wienerin klagt gegen Gebühr für Frauentoiletten und will damit ein Zeichen gegen Ungleichbehandlung im öffentlichen Raum setzen.
Wien Heute
19.08.2026, 16:36
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Melanie G. ist beim Spazieren im Stadtpark eine Ungerechtigkeit aufgefallen. "Ich war mit einem Freund im Stadtpark und wir mussten beide auf die Toilette. Er konnte kostenlos urinieren, ich musste 50 Cent bezahlen", erzählt die Wienerin. Für die 27-Jährige ist das ein klarer Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz in Wien – deshalb hat sie die Stadtverwaltung geklagt.

Wie auch in vielen anderen Städten gibt es in Wien für Männer meist frei zugängliche Pissoirs, während Frauen für die WC-Kabinen zahlen müssen. "Es ist eine Kleinigkeit, aber auch ein Beispiel dafür, wie Frauen im Alltag ungleich behandelt werden", sagt G. im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP im Wiener Augarten. "Warum können Toiletten nicht für alle kostenlos sein oder für alle 50 Cent kosten? Das ist ungerecht."

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Wird Causa zum Präzedenzfall?

Auch Anwältin Petra Laback sieht das so. Öffentliche Einrichtungen, die kostenlose Pissoirs für Männer anbieten, würden zu einer Ungleichbehandlung führen. "Männer haben eine zusätzliche kostenlose Alternative, Frauen nicht", sagt sie. Sollte G. mit ihrer Klage durchkommen, könnte das ein Präzedenzfall für ganz Österreich werden, hofft die Juristin. "Das wird sicherlich Auswirkungen auf andere Gemeinden haben."

In Wien gibt es derzeit 168 öffentlich betriebene Toilettenanlagen. 139 davon sind gratis, bei 29 muss man zahlen. Laut Stadtverwaltung gibt es dort eine Gebühr, weil Personal vor Ort ist. Das sei bei stark frequentierten Standorten mit viel Betrieb notwendig, um Sauberkeit und Ordnung zu gewährleisten, erklärt Sandra Holzinger von der Stadt. Trotzdem sind auch bei diesen Anlagen die Pissoirs kostenlos zugänglich. Damit wolle man verhindern, dass Männer in der Öffentlichkeit urinieren, so die Sprecherin.

Experten geben Klage Chance

Anna Gamper, Rechtsprofessorin an der Universität Innsbruck, sieht diese Regelung mit Blick auf Gleichstellung kritisch. Nach österreichischem Recht "darf zwischen Männern und Frauen nur unterschieden werden, wenn dafür eine besondere sachliche Rechtfertigung besteht", sagt sie. Bei öffentlichen Toiletten sehe sie so eine Rechtfertigung nicht, weil die Kosten für Bau, Erhaltung und Reinigung von Kabinen und Pissoirs im Grunde gleich seien.

Selbst wenn Kabinen in der Instandhaltung teurer wären oder mehr Wasser verbrauchen, rechtfertige das nicht unbedingt einen Preisunterschied, meint die Professorin. "Frauen dürfen nicht allein deshalb finanziell benachteiligt werden, weil sie eine andere Anatomie haben und auch aus Sicherheitsgründen auf eine Kabine angewiesen sind." Auch das Argument, dass Männer ebenfalls für eine Kabine zahlen müssen, lässt Gamper nicht gelten. Immerhin hätten sie im Gegensatz zu Frauen eine kostenlose Möglichkeit.

Frauen in Österreich hätten im Alltag ohnehin oft zusätzliche Kosten, etwa für Periodenprodukte, betont der Sprecher der Wiener Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch, Stefan Hayden. Im Koalitionsvertrag haben sich die Wiener Sozialdemokraten und Liberalen darauf geeinigt, das Angebot an öffentlichen Toiletten zu erweitern und zu prüfen, ob sie für alle Geschlechter gratis werden können.

Im Augarten gibt es seit dem vergangenen Jahr neue öffentliche Toiletten – ganz im Sinn von Melanie G. Die WC-Häuschen mit ihren geschwungenen weißen Keramikfassaden fügen sich nicht nur schön in den Barockpark ein, sondern sind auch kostenlos – für Männer und Frauen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 19.08.2026, 16:37, 19.08.2026, 16:36