Letzte Umfrage vor Wien-Wahl für Strache ein Desaster

Nur noch 14 Tage bis zur Wien-Wahl. "Heute" hat mit ATV abgefragt, wie das Match um Wien steht. Auffallend: H.-C. Strache kommt zusehends unter Druck.

In exakt zwei Wochen wählt Wien einen neuen Landtag. "Heute" hat – wie auch schon Anfang September – in Kooperation mit dem Fersehsender ATV eine große Umfrage (Unique Research, 1.610 Befragte, Schwankungsbreite ± 2,4 Prozent) ins Feld geschickt. Meinungsforscher Peter Hajek schickt voraus: "Die Hochschätzung stellt keine Prognose über den Wahlausgang am 11. Oktober 2020 dar, sondern skizziert die Stimmung zum Erhebungszeitpunkt, also zwei bis drei Wochen vor der Wahl." Rund 130.000 Wähler sind noch zu haben. Sie geben an, nach wie vor unentschlossen zu sein. Während Bürgermeister Ludwig mit einem deutlichen Wahlerfolg rechnen kann, dürfte Heinz-Christian Strache trotz massiver Medienpräsenz an der 5-Prozent-Hürde zum Einzug ins Rathaus scheitern.

Das sticht bei der Umfrage ins Auge:

Die SPÖ legt weiter zu. Nach einem schwachen Start ins Jahr dreht die SPÖ Richtung Wahltag hin immer weiter auf. Lag die Partei von Bürgermeister Michael Ludwig vor zwei Wochen noch bei 41 Prozent, so kann er jetzt sogar mit 42 Prozent am 11. Oktober rechnen. Michael Häupl kam 2015 auf 39,6 Prozent. Meinungsforscher Peter Hajek: "Michael Ludwig konnte an Profil gewinnen und fungiert als Anker für Wähler jenseits der SPÖ-Kernwählerschaft." Einziger Unsicherheitsfaktor: "Die SPÖ könnte durch stark steigende Corona-Infektionszahlen noch unter Druck kommen." Ältere Wähler, die Stammklientel der Roten, könnten aus Sicherheitsgründen auf den Gang ins Wahllokal verzichten. "Dafür könnte es einen Solidarisierungseffekt bei anhaltender Wien-Kritik geben", so Hajek.

Michael Ludwig (SP) steuert auf einen deutlichen Wahlerfolg zu.
Michael Ludwig (SP) steuert auf einen deutlichen Wahlerfolg zu.Picturedesk

 ÖVP sinkt unter 20-Prozent-Marke.Die Türkisen um Finanzminister Gernot Blümel geben einen Prozentpunkt nach und dürfen nun auf 19 Prozent hoffen – Platz zwei und das beste Ergebnis seit 1987 sind ihnen somit gewiss. Peter Hajek: "ÖVP-Wähler tendieren signifikant zur Briefwahl, was in Covid-19-Zeiten möglicherweise einen Vorteil darstellen kann." Problematisch: Die immer stärker sinkenden Persönlichkeitswerte von Spitzenkandidat Gernot Blümel bei der fiktiven Bürgermeister-Direktwahl, bei der er in nur 14 Tagen weitere drei Prozent verlor.

Gernot Blümel (VP) kämpft mit seinen Persönlichkeitswerten.
Gernot Blümel (VP) kämpft mit seinen Persönlichkeitswerten.Picturedesk

Die Grünen leicht verbessert. Die Öko-Partei darf weiter auf ein sachtes Plus von drei Prozent im Vergleich zu 2015 hoffen. Unique Resarch sieht trotz doppelter Regierungsbeteiligung (Wien und Bund) den Plafond der Grünen weiter bei 15 Prozent. Experte Hajek: "Es besteht die Gefahr, dass sie bei einer rot-türkisen Corona-Auseinandersetzung an medialer Aufmerksamkeit verlieren."

Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) geriet mit Gürtelpool und Pop-up-Radwegen zwischen die Fronten.
Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) geriet mit Gürtelpool und Pop-up-Radwegen zwischen die Fronten.Picturedesk

FPÖ verliert zwei Drittel der Wähler. Die Freiheitlichen müssen jetzt auf die TV-Konfrontationen hoffen. Wie schon Anfang September sieht die Umfrage die Blauen bei 9 Prozent. Ein gehöriger Dämpfer nach Platz zwei mit 30,8 Prozent 2015. Hoffnungsschimmer: Spitzenkandidat Dominik Nepp gewann an Beliebtheit und holte Heinz-Christian Strache bei der Bürgermeister-Direktwahl ein. Meinungsforscher Hajek: "Die klassischen FPÖ-Wähler sind im Gegensatz zu Strache gut mobilisiert. Bei steigenden Infektionszahlen könnte der hohe Anteil an blauen Wahllokal-Wählern zum Problem werden."

Dominik Nepp (FP) hat das schwerste Los aller Spitzenkandidaten.
Dominik Nepp (FP) hat das schwerste Los aller Spitzenkandidaten.Picturedesk

Strache scheitert an 5-Prozent-Hürde. "Das Team Strache ist am schwersten einzuschätzen, da es keine aktuellen Vergleichswerte gibt. Man hat zuletzt an Boden verloren; die Chancen auf den Einzug in den Gemeinderat sind aber intakt", fasst Meinungsforscher Peter Hajek zusammen. Unique Research sieht ihn derzeit bei 4 Prozent – das wäre am 11. Oktober zu wenig für einen Einzug in den Landtag und ein persönliches Desaster für den ins Bodenlose gestürzten ehemaligen Vizekanzler. Straches Manko: "Bei den Unentschlossenen gibt es fast keine Potentiale für das Team Strache", sagt Hajek.

THC-Obmann Heinz-Christian Strache muss weiter zittern.
THC-Obmann Heinz-Christian Strache muss weiter zittern.Picturedesk

Neos kommen nicht vom Fleck.Die Pinken liegen bei der Wahl eins nach Beate Meinl-Reisinger mit Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr weiter bei 7 Prozent – also geringfügig besser als vor fünf Jahren. Peter Hajek: "Die Neos-Wähler sind sehr gut mobilisiert. Die Herausforderung besteht im Hochhalten der Mobilisierung."

Neos-Frontman Christoph Wiederkehr
Neos-Frontman Christoph WiederkehrPicturedesk

 Wahlbeteiligung steigt. Im Vergleich zur ersten Befragungswelle legte die voraussichtliche Wahlbeteiligung um sechs Prozentpunkte auf 71  Prozent (2015: 74,8 Prozent) zu. Der Wahlkarten-Anteil wird mit 41 Prozent (Schwankungsbreite ± 2,7 Prozent) hoch sein. "Es gibt aber deutliche Unterschiede nach Parteien", erklärt Peter Hajek, "denn Strache- und FPÖ-Wähler tendieren zum Wahllokal, ÖVP-Wähler zur Wahlkarte."

Die Rohdaten der Unique-Research-Umfrage kannst du HIER nachlesen >>

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