Blinder (39): "Impfen in Wien ist nicht barrierefrei"

"Heute"-Leser Mario S. wollte sich impfen lassen.
"Heute"-Leser Mario S. wollte sich impfen lassen.Symbolbild / privat
Ein Ehepaar musste viermal zur Impfung, weil sie keinen gemeinsamen Termin bekamen – eine Wahnsinns-Aufgabe für die beiden blinden Wiener. 

Mario S. (Name von der "Heute"-Redaktion geändert) und seine Frau sind beide hochgradig sehbehindert. Wie für alle Menschen ist die Pandemie für das Ehepaar keine einfache Zeit. Beide sind berufstätig, Mario arbeitet im öffentlichen Dienst und ist gezwungen, sich dem Kontakt mit fremden Personen auszusetzen.

"Harte Zeit"

"Für eine blinde Person ist die Pandemie naturgemäß eine harte Zeit. Beim Einkaufen ist man auf fremde Hilfe angewiesen, weshalb Kontakt mit Personal oder Passanten fast unausweichlich ist. Ich bin darauf angewiesen, mich auch durch Tasten in der Öffentlichkeit fortzubewegen, was zwar selten - aber doch der Fall ist", berichtet er im Gespräch mit "Heute". 

Deswegen entschied das Ehepaar, sich zu seinem eigenen Schutz impfen zu lassen. Mario, der 5% Sehvermögen hat und deswegen seine blinde Frau im Alltag unterstützt, meldete die beiden auf der Online-Plattform der Stadt Wien für einen Impftermin an. Dabei gab er an, dass beide eine Behinderung haben und Angehörige seien – allerdings ohne Erfolg.

Viermal Urlaub wegen Impftermin 

Nur seine Frau bekam vorerst einen Impftermin. Dies stellt Mario vor ein Problem: Seine Frau benötigt seine Hilfe für ihre Impftermine. Wird er separat von seiner Frau geimpft, muss er den Weg ins Austria Center insgesamt viermal antreten – und das bei nur 5% Sehvermögen.

Am Montag erschien das Paar zum ersten Impftermin von Marios Frau: "Alleine von der U-Bahn zum Austria Center zu finden, hat uns eine halbe Stunde gekostet, wir sind dort herumgeirrt. Wir haben keine Assistenz zur Verfügung gestellt bekommen. Wir sind zwar beide sehr selbstständig, wir haben aber unsere Grenzen." Der Wiener ärgert sich außerdem, weil jeder Ausflug ins Austria Center in seine Arbeitszeit schneide, er müsse sich dafür Urlaub nehmen. 

Wiener flog bei 1450 aus der Leitung

Eine Sprecherin der Stadt Wien äußerte sich dazu gegenüber "Heute", es sei durchaus möglich, dass Angehörige zusammen geimpft werden. Der Haken dabei: Man müsse diesen Wunsch über die Corona-Hotline 1450 bekanntgeben. Mario berichtet, er habe im Vorfeld bei 1450 angerufen, hatte aber ein ähnliches Erlebnis wie etliche andere Österreicher. Der Wiener harrte eine Stunde lang in der Warteschleife aus, bis er schließlich unfreiwillig aus der Leitung flog. Auf eine schriftliche Anfrage an Gesundheitsstadtrat Peter Hacker erhielt der 39-Jährige keine Antwort. 

Nach "Heute"-Anfrage doch ein Happy End

"Logistisch ist das Impfen schwierig, aber die Stadt Wien bewältigt diese Aufgabe gut", lobt die Sprecherin der Stadt. Man sei sich bewusst, dass das System stark ausgelastet sei, von Seiten der Bürger sei hier Geduld gefragt. Nach der Anfrage von "Heute" nahm das Impfservice der Stadt Wien mit Mario Kontakt auf und verschaffte ihm und seiner Frau einen gemeinsamen Impftermin. "Das ist eine Mords-Erleichterung. Die Geschichte hat also doch ein Happy End", freut sich der Wiener. 

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