Mitten im Wiener Badealltag spielt sich ab, womit viele nicht rechnen: In öffentlichen Saunen und Dampfbädern kommt es laut "Wiener Zeitung" immer wieder zu sexuellen Annäherungen – teils gezielt organisiert über Internetforen. Dort werden bekannte Bäder wie Amalienbad, Jörgerbad oder Theresienbad offen als Treffpunkte genannt.
Besonders brisant: Die Treffen passieren nicht abgeschottet, sondern mitten unter normalen Gästen. In den Beiträgen wird genau beschrieben, wie man im Dampfbad einfach wartet, bis sich etwas ergibt – oder gezielt nach Gleichgesinnten sucht.
Die Einträge sind teils sehr deutlich. "Einfach drinnen sitzen bleiben und irgendwann merken, wer geil auf einen ist", schreibt ein Nutzer. Ein anderer schildert: "Im Dampfbad angefangen, im Ruhebereich zu mehrt fortgesetzt und in der Kabine zu dritt abgeschlossen."
Auch konkrete Aufrufe fehlen nicht. "Sind morgen geile Daddys ab 50 im Theresienbad?" oder "Ist zufällig der Typ hier, dessen Schw**z ich heute im Amalienbad in der Hand hatte?" – solche Postings zeigen, wie gezielt die Treffen ablaufen.
Für unbeteiligte Badegäste kann das schnell unangenehm werden. Mehrere Männer berichten gegenüber der Wiener Zeitung von intensiven Blicken, aufdringlicher Nähe oder davon, dass ihnen andere Gäste folgen. "Man merkt relativ schnell, dass es nicht einfach normales Schauen ist", sagt ein Betroffener. Andere schildern Situationen, in denen plötzlich vor ihnen masturbiert wurde – ohne jede Vorwarnung.
Auch Frauen meldeten bereits ähnliche Vorfälle. Laut Wiener Zeitung wurde im Amalienbad etwa von Männern berichtet, die Gäste anstarren, bedrängen oder direkt vor ihnen sexuelle Handlungen setzen. Die Wiener Bäder ziehen eine klare Linie: Belästigung wird nicht toleriert. Es gilt eine Null-Toleranz-Politik, bei Verstößen drohen Hausverbot und Anzeige. Elf Fälle sexueller Belästigung wurden in den vergangenen zwei Jahren dokumentiert.
Gleichzeitig betont die Stadt, dass organisierte Sex-Treffen in diesem Ausmaß nicht bestätigt seien. Dennoch wurden Maßnahmen gesetzt – mehr Kontrollen, geschultes Personal und bessere Beleuchtung in sensiblen Bereichen. Auch das betroffene Forum reagiert inzwischen. Beiträge, in denen konkrete Bäder als Treffpunkte genannt werden, sollen gelöscht werden. Die entsprechenden Threads sind bereits verschwunden.