Stand mit Elvis auf der Bühne

Wiener Ballerina (91) tanzt immer noch allen davon

Friederike Strohschneider tourte als Akrobatin durch die ganze Welt. Heute hält sie das Tageszentrum-Team des Wiener Hilfswerks auf Trab.
Yvonne Mresch
23.04.2026, 05:00
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"Tanzen Sie auch heute noch?" Diese Frage muss man Friederike Strohschneider nicht zwei Mal stellen. "Etwa so?" lautet die prompte Antwort und schon schwingt die 91-jährige ihr Bein in die Luft und über die Haltestange im Tageszentrum des Wiener Hilfswerks. "Sowas verlernt man nicht", lacht sie.

Hartes Training

1935 wurde die rüstige Wienerin geboren, mit sechs Jahren packte sie bereits die Liebe zum Tanz. "Ich habe Ballett gelernt und wurde später an der Staatsoper ausgebildet." Nach der Schule ging es zum Training, abends stand sie vier bis fünf Mal pro Woche an der Volksoper oder Staatsoper als Statistin auf der Bühne. Viel Freizeit blieb dabei nicht, Disziplin war für die Wienerin kein Fremdwort. Aber sie betont: "Es hat Freude gemacht!"

Treffen mit Elvis Presley

Mit 17 lernte ihren Mann kennen – Sprössling einer berühmten Familie von Turmseilkünstlern, der als sogenannter Musikal-Clown auftrat. Strohschneider lernte Akrobatik und gemeinsam entwickelten sie ein Programm, mit dem sie durch die ganze Welt tourten. Flick Flack, Salto, Verbiegen, das gehörte alles mit dazu. Die Pensionistin erinnert sich gerne zurück: "Wir waren überall, in den USA, Mexiko, Norwegen, Guatemala. Jeden Abend gab es eine Vorstellung, vormittags haben wir ausgeschlafen und waren eine Runde spazieren. Pause gab es keine, ich stand auch mit Fieber auf der Bühne. Man gewöhnt sich daran."

Ein besonderes Highlight war ein Treffen mit dem "King of Rock 'N' Roll" Elvis Presley: "Wir haben ihn bei der Weltausstellung in Seattle kennengelernt", erinnert sich Strohschneider mit einem Strahlen im Gesicht zurück. "Wir haben im selben Programm gespielt, wir als Akrobaten und er als Sänger. Er war sehr nett und wir haben uns gut verstanden."

Topfit mit 91

Heute ist Friederike Strohschneider 91 Jahre alt und kein bisschen leise. Ihr Mann ist mittlerweile verstorben, ihre Kinder erwachsen. Deshalb zieht es die Wienerin regelmäßig ins Tageszentrum Leopoldstadt, wo sie bereits als Stammkundin gilt. Zwei Tageszentren betreibt das Wiener Hilfswerk in Wien. Das Angebot richtet sich an Menschen mit unterschiedlichem Betreuungsbedarf und reicht von Gymnastik, über Spielenachmittage, Kreativarbeiten oder Gedächtnistraining bis hin zum gemeinsamen Beisammensein beim Frühstück, Mittagessen, Kaffee oder Kuchen, wie Sigrid Knotek, Leiterin des Zentrums in der Leopoldstadt, erklärt.

Tageszentren gegen Einsamkeit

Auch Ausflüge stehen regelmäßig auf dem Programm. Wer nicht selbst kommen kann, hat die Möglichkeit einen Abholdienst in Anspruch zu nehmen. Vor Ort unterstützen Pfleger, Heimhelfer, Physiotherapeuten und ein Psychologe. Mit dem Angebot soll vor allem eines bekämpft werden: Die Einsamkeit. Gleichzeitig werden Selbstständigkeit sowie motorische Fähigkeiten gefördert und pflegende Angehörige entlastet. Aber nicht nur das – auch persönliche Kontakte werden geknüpft, wie Knotek weiß: "Bei uns gibt es Freundschaften und sogar ein Liebespaar. Die Dame meinte strahlend, sie habe Schmetterlinge im Bauch."

Bis zu fünf Mal pro Woche stattet auch Friederike Strohschneider dem Zentrum einen Besuch ab – und sorgt hier für gute Laune. "Das Tanzen verlernt man nicht", lacht sie. Und Leiterin Knotek schmunzelt: "Wenn Musik läuft, ist sie eine der ersten, die das Tanzbein schwingt. Und die Gymnastikgruppe könnte sie selbst anleiten." Mehr Infos auf www.hilfswerk.at

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