Skandal in Futsal-Liga

Wiener Klub steigt ab, weil Gegner nicht zu Spiel kommt

So geht Hallenzauber nicht! Ein Salzburger Verein dribbelte seine Gegner abseits des Parketts aus, trat 2 Spiele nicht an – ein Wiener Klub steigt ab.

Robert Cajic
Wiener Klub steigt ab, weil Gegner nicht zu Spiel kommt
Tango-Obmann Alexander Schneider ortet eine "klare Wettbewerbsverzerrung".
zVg

Fußball-Legenden wie Messi, Iniesta, Zidane oder Ronaldinho schwärmten schon vor Jahren von den Vorteilen, die der dynamische Futsal-Sport aufstrebenden Kickern bringen kann. In Österreich erleidet die höchste Futsal-Spielklasse derzeit aber einen Nackenschlag. Aufgrund einer kuriosen ÖFB-Regel hielt ein Verein unter anderem aufgrund von Nicht-Antritten die Klasse.

So kam es zu Futsal-Skandal

Der Abstiegskampf in der 1. Futsal-Liga entwickelte sich gegen Saisonende zu einer einzigen Farce. Der Grund: Nach der Hauptrunde mutierte der Kampf gegen den Abstieg zu einem hochspannenden Rennen – fünf Teams waren durch nur vier Punkte getrennt, die letzten zwei Mannschaften steigen ab.

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An den letzten fünf Spieltagen im Abstiegs-PlayOff wurde es dann kurios: Abstiegskandidat Inter Klessheim Futsal Club aus Salzburg holte zwei Siege en suite, dann trat der 35 Mann dicke Kader (laut fussballoesterreich.at) das dritte Spiel "krankheitsbedingt" gar nicht an. Resultat: 6:0 für den akut abstiegsbedrohten Gegner Dynamo Triestingtal aus Niederösterreich.

Genau dieses Spiel rettet die Triestingtaler vor dem Abstieg – ein dritter Klub muss wegen diesem Spiel nämlich absteigen. Nach einem 6:3-Heimsieg gegen den Wiener Tango Futsal Club war Inter Klessheim aus Salzburg nämlich sicher durch.

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Das fünfte und letzte Spiel traten die Salzburger dann wieder nicht an. Das Endergebnis: Mit einem Vorsprung von drei Punkten und einer um drei Tore besseren Tordifferenz landete Dynamo Triestingtal vor Tango Vienna – die Tango-Kicker steigen also ab. Bei Nichtwertung des Nichtantrittes von Inter Klessheim gegen Dynamo Triestingtal würde aber der Tango-Klub in Liga 1 bleiben.

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    Tango-Boss schäumt vor Wut, fordert Zwangsabstieg

    Doch wie konnte dieses Kuriosum zustande kommen? Die Antwort liegt wohl beim ÖFB: Auf dem Weg zu einem professionellen Futsal-Sport hinterließ der Bund einige Gesetzeslücken. So darf pro Saison jeder Verein zwei Mal nicht antreten, die Spiele werden jeweils mit einem 6:0 für die Gegner gewertet.

    Im Profi-Fußball undenkbar – in der 1. Futsal-Liga hielt so Dynamo Triestingtal die Klasse und Tango stieg ab. Für Tango-Chef Alexander Schneider ein einziger Skandal: "Die Vereinsverantwortlichen sind bereits mit dem Vorsatz in den Bewerb gestartet, diesen zu verzerren. Es wurde von vornherein seitens Klessheim in den Medien angekündigt, dass man den Fußball immer priorisieren werde und gegen Ende der Saison – in der für viele Teams entscheidenden Phase – auf wichtige Spieler verzichten werde."

    "Schämen uns" – Salzburger Verein gibt Fehler zu

    Tango-Chef Alexander Schneider fordert nun vom ÖFB einen Punkteabzug bzw. einen Zwangsabstieg. Der FC Inter Klessheim entschuldigte sich bereits medial für die Vorkommnisse, "wir schämen uns, dem Futsalstandard nicht gerecht geworden zu sein", heißt es unter anderem.

    Die Salzburger möchten nun intern aufräumen, statt Strafen auszufassen. Der Abstieg in die 2. Liga wird wohl auf dem grünen Tisch entschieden.

    Auf den Punkt gebracht

    • Ein Salzburger Futsal-Verein manipulierte die Liga, indem er zwei Spiele nicht antrat und so die Liga hielt, während ein Konkurrent abstieg
    • Die kuriose Regel des ÖFB erlaubt es, dass Spiele, die nicht angetreten werden, mit 6:0 für den Gegner gewertet werden, was zu Kontroversen und Forderungen nach Strafen für den Verein führt
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