Ofen aus für Bio-Bäcker

Wiener Luxus-Bäckerei pleite – alle Jobs sind weg

In Wiens Brot-Szene kracht es gewaltig: Ein Vorzeige-Bäcker mit einst glühender Mission steht vor dem Ende – 900.000 Euro fehlen.
Christoph Weichsler
23.05.2025, 09:59
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Es ist eine dieser Geschichten, die fast zu gut klingt, um wahr zu sein: ein Mann, ein Holzofen – auf Tour quer durch Europa. Als Helmut Gragger einst zur Slowfood-Messe nach Turin reiste, war sein mobiler Ofen nicht nur mit im Gepäck – er war bereits angeheizt. Selbst auf dem Weg legte er Stopps ein, nur um Holz nachzulegen. Leidenschaft, die brannte.

Und jetzt? Nichts als kalte Asche. Die Bäckerei ist endgültig pleite, wie "Die Presse" berichtet. Am 22. Mai verkündete Gragger persönlich seinen 35 Mitarbeitern das bittere Aus. Die Sanierung? Gescheitert. Investorengespräche? Geplatzt. Schulden? Rund 900.000 Euro. "Aber es geht sich nicht aus", gesteht der einst gefeierte Bäcker.

Vom Brot-Visionär zur Insolvenz

Gragger war mehr als ein Handwerker – er war ein Visionär. 1997 begann alles in Ansfelden bei Linz, 2010 kam der große Schritt nach Wien. Mit eigens konstruiertem Holzofen eröffnete er ein Geschäft in der Spiegelgasse in der Innenstadt, später folgten weitere Standorte – sogar in Berlin.

Doch dann kam Corona. Die Frequenz brach ein, neue Konzepte wie Pop-up-Stores griffen zu kurz. Auch der Einstieg der Stadt Wien mit dem Programm "Stolz auf Wien" half letztlich nicht. Ende 2022 kam die Insolvenz, ein Sanierungsplan wurde gestartet – vergeblich.

"Ich habe Fehler gemacht"

Im Interview mit der "Presse" zeigt sich Gragger ehrlich: "Natürlich habe ich Fehler gemacht." Besonders die hohen Lohnkosten und die aufwändige dezentralisierte Produktion hätten das Geschäft belastet. Und: "Wir waren nie gut im Marketing."

Während die Konkurrenz mit luftigen Sauerteigbroten boomte, blieb Gragger bei seinen schweren Roggenlaiben und Buttersalzstangerln. Die Szene wuchs, doch er kam nicht mehr mit. "Unsere Sachen haben schon einen anderen Charakter", sagt er fast wehmütig.

Werte, die jetzt mitverschwinden

Was Gragger besonders trifft, ist das Ende seines sozialen Engagements. In Kooperation mit der Caritas bildete er Jugendliche aus, die sonst keiner wollte. Ab 2015 baute er Mikrobäckereien in Afrika und am Balkan auf – auch das ist jetzt Geschichte. "Es bricht viel zusammen damit."

Die letzten Brote werden in Wien wohl bis Monatsende verkauft. Danach ist endgültig Schluss. Nur die Berliner Filialen, die unabhängig betrieben werden, überleben. Was bleibt, ist das leise Knistern einer Flamme, die einmal lichterloh brannte.

{title && {title} } CW, {title && {title} } Akt. 23.05.2025, 10:34, 23.05.2025, 09:59
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