Politik

Wilder Ivermectin-Streit bei Corona-Expertenrunde

Um über zwei Anti-Corona-Volksbegehren zu beraten, lud das Parlament Experten zum Hearing. Zwischen diesen flogen aber im Ausschuss die Fetzen.

Rene Findenig
Fast schon in Vergessenheit geraten, wurde das Entwurmungsmittel Ivermectin im Nationalrat wieder aufgewärmt.
Fast schon in Vergessenheit geraten, wurde das Entwurmungsmittel Ivermectin im Nationalrat wieder aufgewärmt.
REUTERS

In Sachen Corona-Pandemie hielt der Gesundheitsausschuss des Nationalrats am Mittwoch ein erneutes Expertenhearing ab. Dort flogen die Fetzen zwischen der SPÖ, Karl Stöger, Experte für Medizinrecht, und Hannes Strasser, Facharzt für Urologie und Co-Autor des Buches "Raus aus dem Corona-Chaos". Strasser, von der FPÖ für das Hearing nominiert, übte einmal mehr scharfe Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung. Es sei nie eine besondere epidemische Notlage vorgelegen, COVID-19 sei nicht gefährlicher als eine schwere Grippewelle, wird er von der Parlamentsdirektion zitiert.

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    Bundeskanzler Karl Nehammer rechnete am 15. Februar 2023 mit den Corona-Maßnahmen der letzten Jahre ab.
    Bundeskanzler Karl Nehammer rechnete am 15. Februar 2023 mit den Corona-Maßnahmen der letzten Jahre ab.
    Martin Juen / SEPA.Media / picturedesk.com

    Dem nicht genug: vor allem "alte kranke Männer" würden am Coronavirus sterben, Frauen und Junge dagegen stärker von Impfnebenwirkungen betroffen seien. Lockdowns seien zudem laut Strasser nicht effektiv gewesen und hätten große Schäden verursacht. Und: Der Urologe lobte einmal mehr den Einsatz des Pferdeentwurmungsmittels Ivermectin bei der Corona-Behandlung. "Es sei belegt, dass dieses auch antibiotisch und antiviral wirke", heißt es in der Aussendung, von der Impfung könne man das nicht behaupten. Für nicht belegt hielt er "Long Covid", das auch von Impfungen stammen könne.

    Aussagen, die Stöger – nominiert von ÖVP, SPÖ, Grünen und NEOS – und einen SPÖ-Abgeordneten fast an die Decke gehen ließen. Auch wenn die Maßnahmen nun sukzessive abgeschafft würden, heiße das nicht, dass sie bei der Verhängung unverhältnismäßig gewesen seien, so der Experte. Scharf attackiert wurden die FPÖ und Strasser schließlich von SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher. Die FPÖ habe "offenbar vergessen, dass sie den Lockdown-Gesetzen zugestimmt" habe, und es sei auch FPÖ-Parteichef Herbert Kickl gewesen, der zu Beginn der Pandemie "die Behörden aufgerufen" habe, bei Verstößen gegen die Schutzmaßnahmen hart durchzugreifen.

    An den von der FPÖ nominierten Experten Strasser richtete Kucher die Frage, ob er wirklich glaube, dass "eine Dreifachtherapie aus Ivermectin, Sonnenlicht und Bitterstoffen" eine stärkere Wirkung habe als eine Corona-Schutzimpfung. Stöger wiederum erteilte dem Ruf nach einer Generalamnestie für Personen, die gegen die Corona-Maßnahmen verstoßen haben, eine Abfuhr. Eine solche Generalamnestie für Verstöße gegen Corona-Schutzmaßnahmen brauche eine verfassungsrechtliche Grundlage und die Strafen aufzuheben, wäre auch in Hinsicht der Signalwirkung problematisch.

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