Wirbel um Buhrufe bei Demo gegen die Regierung

Gedenkmarsch
Gedenkmarsch "Light of Hope"
Nationalratspräsident Sobotka wurde bei der Gedenkfeier zu den Novemberpogromen ausgebuht. Die Polizei verdächtigt Anti-Regierungs-Demonstranten. Das sorgt für Kritik.
Zwei Demonstrationszüge prägten am Donnerstagabend das Wiener Stadtbild: die "Donnerstagsdemo" gegen die türkis-blaue Regierung, und die Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen "Light of Hope". Im Rahmen der wöchentlichen Proteste gegen die aktuelle ÖVP-FPÖ-Regierung unter dem Titel "Am 8. November ist wieder Donnerstag!" wurde aber auch der Opfer der Nazis gedacht. So wurde etwa vor dem Polizeianhaltezentrum an der Rossauer Lände an jene Jüdinnen und Juden erinnert, die im Zug der Novemberpogrome in das dortige Polizeigefängnis gebracht wurden.

Kritik wurde laut, dass die Polizei anfangs Buhrufe gegen den Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka der falschen Gruppe zugeordnet hätte. Viele wunderten sich über die sozialen Medien. So schrieb ein User etwa: "So kann man es sich natürlich leicht machen, nicht die Gedenkbesucher hätten Sobotka ausgebuht sondern linke Demonstranten (wobei schön darauf geachtet wird zu suggerieren, dass diese nicht zur Veranstaltung gehören würden...???). Warum die Polizei diese offensichtliche Falschdarstellung unterstützt, ist mir ebenfalls unverständlich..."

Sobotkas Sprecher stellte unter Berufung auf die Polizei via APA klar: Bei den Demonstranten, die Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) am Donnerstagabend bei der "Light of Hope"-Kundgebung beschimpft und ausgebuht haben, habe es sich um Donnerstags-Demonstranten gegen die türkis-blaue Regierung gehandelt.

In Österreich wurden im Rahmen der Pogrome im November 1938 mindestens 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. In Deutschland wurden Tausende Synagogen und Geschäfte niedergebrannt, nach offizieller damaliger Lesart 91 Personen getötet, tatsächlich starben aber während der Pogrome und in deren Folge weit mehr Menschen. Mehr als 20.000 Personen wurden verhaftet.

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Bei der Abschlusskundgebung auf dem Judenplatz sprachen neben Regierungsvertretern wie Sobotka und Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) auch IKG-Präsident Oskar Deutsch und Oberrabbiner Arie Folger, sowie österreichische Holocaust-Überlebende.

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Zum Gedenken an die Novemberpogrome im Jahr 1938 findet in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Parlament in der Hofburg ein Empfang für österreichische Shoah-Überlebende aus Israel statt. Diese besuchen in diesen Tagen auf Einladung von Bundeskanzler Sebastian Kurz Wien. Zur Begrüßung spricht Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka.

Gegenüber der israelischen Botschafterin Talya Lador-Fresher hatte Sobotka schon bei ihrem Antrittsbesuch im Parlament im Frühjahr unterstrichen, dass Österreich auch in Zukunft alle Anstrengungen unternehmen werde, um das Erinnern an die Shoah und seine historische Verantwortung wach zu halten. Lador-Fresher schließt mit ihren Grußworten an die Einleitung des Nationalratspräsidenten an.

Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung steht die Rede des aus Wien stammenden US-amerikanischen Rabbiners Arthur Schneier. Worte zum Gedenken kommen außerdem von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Darüber hinaus wird Architekt Kurt Y. Tutter Einblicke in die geplante Shoah Namensmauern Gedenkstätte in Wien geben. Das Selini-Quartett umrahmt die Veranstaltung musikalisch. (red)

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