Schade, dass es vorbei ist. Von dieser Formel-1-Saison konnte ich gar nicht genug bekommen. Acht verschiedene Sieger, davon sieben alleine in den ersten sieben Rennen und zum krönenden Abschluss ein WM-Finale, das bis zur letzten Runde spannend war. Ich bin der Meinung, dass Sebastian Vettel und Fernando Alonso den Titel gleich viel verdient haben. Was am Ende entschieden hatte, dass der Deutsche seinen "Vettrick" schaffte, waren Kleinigkeiten.
Nach den ersten Rennen der Saison war klar: Ferrari ist nicht so schlecht, wie es im Winter schien, Red Bull hat dagegen zu kämpfen. Der Austro-Rennstall hatte durch das Verbot des angeblasenen Diffusors einen großen Rückschlag erlitten. Wie weggeblasen war der Vorteil, schneller in den Kurven zu sein und aus ihnen rauszufahren. Dadurch wurde die bislang größte Schwäche des "Bullen", der niedrigere Topspeed, zum schwerwiegenden Problem.
Newey gewann Kampf am Zeichenbrett
Alonso hatte recht, als er behauptete, dass nicht Vettel sein größter Rivale sei, sondern Red Bulls Stardesigner Adrian Newey. Dieser eröffnete den Kampf hinter den Kulissen am Zeichenbrett und erzielte nach der Sommerpause einen K.O.-Sieg gegen Ferrari (Vettels Siegesserie). Das "Superhirn" perfektionierte den Coanda-Auspuff, der eine ähnliche Wirkung wie der angeblasene Diffusor hat, und kopierte das Doppel-DRS von Mercedes, wodurch der Topspeed stieg.
Dass dadurch selbst Affen Formel 1 fahren könnten, wie Niki Lauda einmal scherzhaft behauptete, ist dennoch unwahrscheinlich. So viele Fahrfehler waren in dieser Saison zu sehen, was die Rennen zusätzlich spannend machte und die zeigen: Formel 1 ist der Sport der besten Autofahrer der Welt - und das sind Menschen. Als es zu Beginn nicht lief, zeigte Vettel Nerven und machte Fehler, als Vettel seine Siegesserie startete, machte wiederum Alonso einen fatalen.
Ein Fehler zuviel
Der Crash in Japan, als er mit Kimi Räikkönen in der ersten Kurve kollidierte und ausschied, war im Nachhinein allerdings der Einzige, den er sich vorzuwerfen hatte. Er hätte vielleicht da oder dort ein paar Punkte mehr holen können, wenn die Strategie aufgegangen wäre. Doch Japan war das einzige Rennen in dieser Saison, bei dem Alonso selbstverschuldet nicht anschrieb. Dort hätte ihm ein achter Platz gereicht und er wäre jetzt Champion.
Bei jedem anderen Grand Prix holte er aus einem technisch unterlegenen Boliden das Maximum heraus. Es wäre spannend zu sehen, wenn Alonso und Vettel eine Saison lang im selben Auto sitzen würden. Erst dann würde man wissen, wer wirklich der Bessere ist. Vermutlich werden die Kritiker des Deutschen erst dann verstummen, wenn er einmal für ein anderes Team die WM holen würde.
Und Webber?
Andererseits muss man Alonso auch dagegenhalten: Nicht nur Vettel fuhr den überlegenen RB8, sondern auch Teamkollege Mark Webber. Dieser trug zwar dazu bei, dass Red Bull zum dritten Mal Konstrukteursweltmeister wurde, seinem Teamkollegen war er aber bis auf ein paar Ausreißer nicht ebenbürtig (und im Vergleich zu Felipe Massa keine große Hilfe). Der Fahrer ist deshalb nach wie vor der wichtigste Faktor im Hochtechnologiesport Formel 1.