Andrea Kimi Antonelli hat ausgerechnet bei seinem Heimrennen ein Stück Formel-1-Geschichte geschrieben. Der Italiener stürmte am vergangenen Sonntag in Monza in seinem Mercedes nach einer Motorenstrafe vom 19. Startplatz aus noch zum Sieg und baute damit seinen WM-Vorsprung wieder aus. 66 Punkte liegt der 20-Jährige bereits vor seinem Teamkollegen George Russell.
Diesen hatte Antonelli in der 51. Runde dann erkämpft, als er an Russell vorbeigezogen war. Eine Runde zuvor hatte es in der ersten Schikane nach Start und Ziel aber eine Schrecksekunde gegeben. Beide Mercedes-Piloten fuhren Seite an Seite durch die enge Rechts-Links-Kombination. Als Russell innen abdeckte, rutschte Antonelli auf dem aufbrechenden Asphalt von der Strecke und musste durchs Kiesbett. In diesem Moment hing der Erfolg am seidenen Faden.
Das passte auch Teamchef Wolff nicht. Deshalb bat der Wiener nach dem Rennen beide Fahrer zum klärenden Gespräch, wie der "Silberpfeil"-Boss bei "Sky" erzählte. "Wir haben voll den Finger in die Wunde gelegt. Wenn die sich da ins Auto fahren, dann stehen wir wie die Idioten da", erklärte Wolff sichtlich verärgert. "Ich habe gesagt, dass ich das nicht sehen möchte. Ich möchte nicht auf der letzten Rille bremsen oder überholen sehen, ich will nicht, dass sie sich im Getriebe hängen, weil mit den neuen Motoren kann es schnell einmal ein Derating geben", erklärte der Teamchef weiter, meinte damit ein plötzliches Langsamerwerden durch das Aufladen des Elektromotors auf den Geraden.
"Wir wollen, dass sie racen, aber nicht wie Feinde. Nicht so, als würde es im letzten Rennen in der letzten Runde um die Weltmeisterschaft gehen", richtete Wolff ungewöhnlich deutlich seinen Teamkollegen aus.
Für Russell gab es vom Teamchef derweil Lob. Der Brite sei "auf eine Runde unheimlich schnell", sei im Grand Prix in Monza aber nicht schnell gewesen, das Team hätte auch "die falsche Strategie" gewählt – "das haben wir erst am Ende gesehen", meinte Wolff weiter. Antonelli hatte nämlich während der Virtuellen Safety-Car-Phase gestoppt, Russell nicht.