Nach seiner Wutrede gegen den eigenen Vorstand am Wochenende stand Oliver Glasner bei Crystal Palace unmittelbar vor dem Aus. Ein vorzeitiger Rauswurf schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Nun ist jedoch klar, dass der Österreicher seinen Vertrag bis zum Sommer erfüllen darf.
Warum es nun doch zur Kehrtwende kam, liegt an einem internen Krisengespräch mit der Klubführung. Nach dem Austausch verzichtete Crystal Palace auf eine sofortige Trennung. Glasner signalisierte, dass er die Saison zu Ende bringen will, der Klub setzt trotz der angespannten Lage auf Kontinuität.
Auslöser für den Frust gegen den Vorstand war der Verkauf von Kapitän Marc Guehi unmittelbar vor dem Ligaspiel gegen Sunderland AFC. Dort hatte Glasner zunächst erklärt, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. Dieser läuft noch bis zum Ende der Saison. Gleichzeitig machte er öffentlich, dass ein weiterer Leistungsträger kurz vor einem Spiel abgegeben werden soll.
Nach der Niederlage gegen Sunderland (1:2) platzte dem 51-Jährigen endgültig der Kragen. Gegenüber "Sky Sports" sagte er: "Unseren Kapitän einen Tag vor einem Spiel zu verkaufen, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis." Besonders schwer wiege für ihn, dass sich diese Situation wiederhole. Glasner erinnerte an den Abgang von Eberechi Eze im vergangenen Sommer und erklärte: "Wenn dein Herz dir zwei Mal in einem Jahr herausgerissen wird, zuerst mit Eze, einen Tag vor einem Spiel im Sommer, und mit deinem Kapitän einen Tag vor einem Spiel – das kann ich nicht verstehen."
Doch Glasner hatte noch nicht genug. Er setzte die Kritik an der Transferpolitik fort. Der Coach schilderte seine Ohnmacht während des Spiels: "Ich schaue auf die Bank, ich kann nicht reagieren. Es sind nur Kinder auf der Bank, und das ist nicht erst seit gestern so, sondern schon seit Wochen. Deshalb bin ich heute wirklich frustriert."
Trotz der Wucht seiner Aussagen stellte Glasner jedoch klar, dass ein Abschied vor Saisonende für ihn nicht infrage kommt. Er betonte unmissverständlich: "Das würde ich niemals tun. Ich werde mit dieser Gruppe von Spielern bis zum Ende durchhalten." Sportlich ist die Lage weiter angespannt. Crystal Palace wartet seit dem 7. Dezember auf einen Sieg in der Premier League. Zudem schied der Klub im FA Cup als Titelverteidiger blamabel gegen den Sechstligisten Macclesfield aus. Trotzdem bleibt Glasner bis zum Sommer im Amt - zumindest vorerst.