YouTuber vergleicht Corona-Impfung in KZ mit Zyklon B

Das ehemalige Konzentrationslager in Mauthausen
Das ehemalige Konzentrationslager in MauthausenHARALD SCHNEIDER / APA / picturedesk.com
In der KZ-Gedenkstätte Mauthausen (OÖ) kam es am Wochenende zu einer unvorstellbaren Geschmacklosigkeit. Ein AfD-Aktivist entsetzt mit Aussagen.

Ein Anhänger der deutschen Rechtsaußen-Fraktion AfD verstieg sich am Wochenende im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (OÖ) zu einem untragbaren Vergleich. Er setzte das Covid-Vakzin mit Zyklon B gleich. Das Biozid wurde im Zweiten Weltkrieg von den Nazis in Gaskammern zur Vergiftung mittels Blausäure verwendet. Alleine in Mauthausen verloren zwischen 1938 und 1945 mindestens 90.000 Menschen – vorwiegend jüdischer Abstammung – ihr Leben. "Wir brauchen kein neues Zyklon B – sei es als AstraZeneca oder als Biontech. Nein, das brauchen wir nicht", schwurbelte der AfD-Aktivist auf einem Video, das er am Samstag in sozialen Netzwerken geteilt hat.

Nehammer: Anzeige erstattet

Innenminister Karl Nehammer verurteilte diese Aussagen am Montag auf das Schärfste: "Der Vergleich des Covid19-Impfstoffs mit dem Gift Zyklon B, das Millionen von Menschen den Tod gebracht hat, ist nicht nur das Verbreiten von Verschwörungstheorien, sondern widerwärtig und kriminell. Derartiges in einer Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust zu tun, ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Wir sehen hier eine Form des Geschichtsrevisionismus, die dazu beiträgt, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren und zu verharmlosen. Die Aussagen des AfD-Politikers sind absolut inakzeptabel." Laut Nehammer werde "sofort eine Strafanzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft erstattet – genauso wie das bei den Demos in Wien der Fall war".

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ist entsetzt.
Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ist entsetzt.
GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

Gedenkstätte lehnt Aussagen ab

"Meinungs- und Redefreiheit sind ein sehr hohes Gut und Eckpfeiler unserer täglichen Arbeit an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Meinungsfreiheit hört allerdings dort auf, wo die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost und historisch unhaltbare Vergleiche zum NS-Terrorregime gezogen werden. Diesen Missbrauch des Ortes lehnen wir entschieden ab", erklärt Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

"Sieg Heil"-Ruf in Jüdischem Viertel

Ob der AfD-Fan auf der Durchreise zur untersagten Corona-Demo einen Zwischenstopp in Mauthausen einlegte, ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen. Wie von "Heute" berichtet, wurden im Zuge der Kundgebung in Wien Nazi-Rufe, Hitler-Grüße und Beiß-Attacken auf Polizisten angezeigt. Im Jüdischen Viertel entsetzte eine Person mit "Sieg Heil"-Rufen. Dabei filmte sie sich selbst, streamte möglicherweise auch live. Das Handy wurde deswegen sichergestellt. Fakt ist: Beim Sturm auf das Gebäude einer Versicherung waren ebenfalls AfD-Aktivisten beteiligt. Am Samstag gab es in Wien drei Anzeigen und zwei Festnahmen nach dem Verbotsgesetz.

Kurz verurteilte Ausfälle

Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) verurteilte die antisemitischen Ausfälle bei einer Sonderpräsidiale am Montag in Wien scharf. "Unter keinen Umständen ist Antisemitismus akzeptabel", so der Regierungschef. "Es widert mich an, das darf in Österreich keinen Platz haben."

HINTERGRUND: Die Polizei-Bilanz der Demo >>

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VIDEO zeigt Sturm der Demo-Chaoten auf Versicherungsgebäude in Wien

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