In einem Schreiben an die zuständigen Landesräte fordern zahlreiche Mediziner, am ausgemachten Zeitplan festzuhalten. Die Reform soll mit 1. April 2027 umgesetzt werden. Kernpunkt ist die Reduktion von Notarzt-Standorten im Rahmen des NÖ Gesundheitsplans 2040+ ("Heute" berichtete).
Unterzeichner waren etwa Dr. Christian Fohringer (Geschäftsführung Notruf NÖ), Dr. Thomas Klestil (ehemaliges Mitglied des NÖ-Gesundheits-Paktes), Dr. Karin Pieber (Ärztliche Direktorin Uniklinikum St. Pölten) oder Primar Stefan Leidl (Ärztlicher Direktor LK Waidhofen/Ybbs).
Sie warnen davor, die Reform ohne ausreichende fachliche Begründung zu verschieben. Das bisherige System sei über Jahre gewachsen, aber nicht nach heutigen medizinischen, personellen und regionalen Anforderungen geplant worden.
Besonders brisant: Die Mediziner sehen durch das alte System wertvolles Personal gebunden. Viele Notarztdienste würden von Anästhesisten übernommen, die gleichzeitig in den Kliniken dringend gebraucht werden. Wird die Reform verschoben, könnten Patienten etwa bei Operationen länger warten müssen.
Im Brief, der an die Landesräte Anton Kasser und Martin Antauer sowie Landesrätin Eva Prischl ging, heißt es: "Es ist nachvollziehbar, dass strukturelle Veränderungen Sorgen auslösen: bei Betroffenen, in der Bevölkerung, in der Politik und bei Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Die richtige Antwort darauf ist jedoch nicht Stillstand, sondern transparente Information, aktive Kommunikation und das Gewinnen von Vertrauen in eine zeitgemäße Notfallversorgung."
Elisabeth Bräutigam, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur, stellt klar: "Es ist kein Schreiben der Expertinnen und Experten des Gesundheitsplans und auch kein politisch motiviertes – es stammt von Ärztinnen und Ärzten des Bundeslands, aus unterschiedlichen Bereichen, die in Sorge sind, ob der aktuellen Diskussion bezüglich einer zeitlichen Verschiebung der geplanten Notarztreform."
Begleitmaßnahmen wie die bessere Ausbildung von Notfallsanitätern und der Ausbau der Flugrettung seien bereits in Arbeit.