Wochen intensiver Verhandlungen waren vorausgegangen – jetzt steht fest: In Niederösterreich werden elf der bisher 32 Stützpunkte für Notärzte aufgelassen.
Die Vertreter des Landes NÖ und der Rettungsorganisationen gaben am Mittwochvormittag bekannt, wie sie die "Rettungslandschaft NÖ" künftig organisieren wollen. Immerhin, es geht um die "Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung", wie immer wieder betont wurde. Jetzt ist die Weichenstellungen dafür getroffen worden.
Die Landesrätin Eva Prischl und die Landesräte Ludwig Schleritzko und Martin Antauer informierten zusammen mit Johannes Pressl (Präsident des NÖ Gemeindebundes), Andreas Kollross (Präsident des NÖ Gemeindevertreterverbandes) sowie den Präsidenten des Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes NÖ, Hans Ebner und Hannes Sauer, über die Pläne zur Umgestaltung.
Jetzt liege ein Ergebnis vor, das nicht nur Vergangenheit und Gegenwart im Blick habe, sondern auch die Zukunft, betonte Landesrätin Prischl. Einerseits sei die fortlaufende Finanzierung des Rettungsdienstvertrages des Landes mit den Rettungsdiensten sichergestellt worden, andererseits sei die künftige Neuausrichtung des Rettungs- und Notfallsystems in NÖ (gemäß Gesundheitspakt 2040+) festgelegt worden.
Demnach sollen jetzt die Rettungsorganisationen für bereits erbrachte Leistungen (Mehrkosten) im Zeitraum von 2022 bis 2025 rund 70 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Daneben sei ein Unterstützungspaket für Gemeinden ausverhandelt worden, freut sich Prischl. Nachdem im Landtag mit großer Mehrheit die Neugestaltung des Rettungswesens in NÖ beschlossen wurde, steht jetzt fest: 21 Stützpunkte für Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) bleiben erhalten. Von aktuell 32 NEF-Stützpunkten sollen elf Standorte "umstrukturiert" werden, erklärt Prischl:
"Notarzteinsatzfahrzeuge werden künftig in Amstetten, Baden, Gänserndorf, Gmünd, Hollabrunn, Horn, Korneuburg, Krems, Lilienfeld, Melk, Mistelbach, Mödling, Neulengbach, Neunkirchen, Schwechat, Sankt Pölten, Scheibbs, Tulln, Waidhofen/Thaya, Wiener Neustadt und Zwettl stationiert sein. Die restlichen Standorte werden umstrukturiert und zukunftsfit ausgerichtet", so die Landesrätin.
Experten seien beauftragt worden, für die Umstrukturierung eine entsprechende Standortliste mit allen Stützpunkten des Landes zu erstellen. Ab April 2027 soll ein neues krankenhausbasiertes Notarztsystem etabliert sein. Doch: "Erst wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, wird es zu Veränderungen in den Regionen kommen", sagt Prischl.
Dabei lege der Gesundheitsplan 2040+ genau fest, was für eine schnelle und vollkommene Rettungskette der Zukunft nötig sei. Dazu gehöre etwa ein sogenanntes wohnortnahes "First-Responder-System" für lebensrettende Sofortmaßnahmen, aber auch die Standorterweiterung der "Acute Community Nurses" zur Schnittstellenbetreuung zwischen Primärversorgung und Notfallmedizin.
Zu den Voraussetzungen für ein modernes Rettungswesen in NÖ gehöre auch der Ausbau auf insgesamt 86 Rettungswagenstützpunkte (RTW-C) mit hoch qualifizierten Notfallsanitätern, die Ausweitung der Flugrettung (24/7 Betrieb, Nacht- und Schlechtwettertauglichkeit, Erweiterung des Intensiv-Transports mittels Hubschraubern) Aber auch die telemedizinische Unterstützung nicht-ärztlich besetzter Einsatzmittel durch Telenotfallmediziner soll erweitert werden.
Prischl ist überzeugt: "Mit dieser Weiterentwicklung schützen wir das Gesundheitssystem vor Überlastung und gewährleisten gemeinsam, dass die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher auch in Zukunft bestmöglich versorgt werden."
Seine Aufgabe sei es "die finanzielle Absicherung des Rettungs- und Notfallwesens zu garantieren, ohne Gemeinden übermäßig zu belasten", sagte Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko. Deshalb übernehme das Land NÖ rückwirkend die gesamte Finanzierung (70 Millionen Euro) von 2022 bis 2025. Rund 50 Millionen Euro davon seien als Gemeindeunterstützungspaket vorgesehen, so Schleritzko weiter: "Das ist ein starkes Zeichen der Geschlossenheit und ein nachhaltiges Zukunftspaket für das Rettungswesen in Niederösterreich."
"Die Veränderung macht vielen Menschen Sorge. Das ist verständlich, besonders dann, wenn es um die Gesundheit geht", kommentiert das Landesrat Martin Antauer, der auch Vorsitzender des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) ist. Jeder Niederösterreicher und jede Niederösterreicherin müsse im Ernstfall die beste Hilfe bekommen: "Es darf keinen Unterschied machen, ob jemand in der Stadt lebt oder am Land beheimatet ist. Jeder hat überall und jederzeit das Recht auf eine optimale Versorgung."
Für Antauer "steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht das System oder die Statistik." Wenn es um Leben und Gesundheit gehe, gäbe es keine Kompromisse. Der NÖGUS begleite die Umstrukturierung des Rettungswesens, damit die Versorgung auch in Zukunft sicher und verlässlich bleibe, so Antauer.
Seitens der beiden Präsidenten der Gemeindevertreterverbände, Johannes Pressl und Andreas Kollross, hieß es, man trage die Reformschritte trage mit. Dabei war die Absicherung der Finanzierbarkeit durch Land und Gemeinden ein Thema. Jetzt begrüße man, dass die in der Vergangenheit angelaufenen Mehrkosten (über vertraglich vereinbarte Normbeträge hinaus) zum überwiegenden Teil durch das Land NÖ getragen werden: "In Zeiten mehr als angespannter Gemeindebudgets ein sehr wichtiges Signal und eine große Unterstützung, für die wir uns herzlich bedanken."
Seit 120 Jahren gäbe es das Rote Kreuz in Niederösterreich, hieß es von dessen Präsident, Hans Ebner. Zusammen mit dem Samariterbund betreibe man seit 35 Jahren die Notfallrettung in Niederösterreich. Ebner ist überzeugt: Mit 21 Notarzt-, 86 Notfallsanitäter-Stützpunkten und dem Telenotarzt, schaffe man ein engmaschiges Notfallsystem und könne den Versorgungsauftrag auch in Zukunft sicherstellen.
Hannes Sauer, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes NÖ, betonte: "Wir sehen unsere Aufgabe in der Hilfe für Menschen vor Ort. Mit engagierten und bestens ausgebildeten Sanitätern leisten wir dort Unterstützung, wo sie gebraucht wird."