Politik

"Zahlt Miete nicht" – Wut-Mama weist Kanzler zurecht

Im Gespräch mit Bürgern über Armut wurde Bundeskanzler Karl Nehammer mehrfach von einer Alleinerziehenden unterbrochen. 

Leo Stempfl
Am Montag war ÖVP-Chef und Bundeskanzler Karl Nehammer zu Gast im Puls24-"Bürgerforum" – und wurde dabei mehrfach unterbrochen.
Am Montag war ÖVP-Chef und Bundeskanzler Karl Nehammer zu Gast im Puls24-"Bürgerforum" – und wurde dabei mehrfach unterbrochen.
"Puls24"

Es war ein hitziges Zweigespräch, das zwischen Bundeskanzler Karl Nehammer und Anna Schiff, einer 20 Stunden teilzeitarbeitenden Mutter von vier Kindern, entstand. Ihr Mann ist gestorben, seitdem ist sie alleinerziehend. Ihre Situation ist schnell zusammengefasst: "Es geht sich nicht aus." Durch die Teuerungskrise habe sich die Situation verschärft und mehr arbeiten gehe mit vier Kindern auch nicht so einfach.

Der Bundeskanzler erklärte daraufhin, dass er Fälle wie diese in seinem Burger-Video selbstverständlich nicht gemeint hätte. Für ihn sei es unvorstellbar, was Alleinerziehende leisten. Aber wenn man sich freiwillig für Teilzeit entscheide, dürfe man sich später nicht beklagen, zu wenig Geld zu haben. Um mehr Arbeit zu ermöglichen, möchte der Kanzler deswegen die Kinderbetreuung ausweiten.

    Am Montag (16.10.2023) war ÖVP-Chef und Bundeskanzler Karl Nehammer zu Gast im Puls24-"Bürgerforum".
    Am Montag (16.10.2023) war ÖVP-Chef und Bundeskanzler Karl Nehammer zu Gast im Puls24-"Bürgerforum".
    Screenshot Puls24

    Schiff unterbricht

    Doch genau hier "muss" Frau Schiff den Kanzler das erste Mal unterbrechen. "Ihre Partei und der Herr Kurz haben die Kinderbetreuung gestoppt." Nehammer schaut kurz verdutzt, lächelt dann leicht und wechselt auf eine ernste Miene zurück. "Ich wünsch mir einen Bundeskanzler, der wirklich soziale Verantwortung für seine Bürger übernimmt – und vor allem für Kinder."

    Der Kanzler erzählt daraufhin von sich und dass er selbst mit seiner Frau früher auch Kuverts vorbereitet hat, wie man die Lebenshaltungskosten teilt. Er kritisiert daraufhin Polemik, denn die Volkspartei habe nie die Kindergartenmilliarde blockiert. Zurück zum eigentlichen Thema des Burger-Videos gesteht Nehammer zwar ein ein, dass er ein besseres Beispiel hätte finden können, beklagt aber dabei auch, dass das Video bewusst "rausgespielt" wurde, um von anderen Skandalen abzulenken. Zum leidenschaftlichen Diskutieren stehe er. "Ich kann auch Dialekt, ich bin im 12. Bezirk aufgewachsen." 

    Armut immer individuell?

    An späterer Stelle geht es um das Weltbild des Kanzlers. Dieses sei nicht ein kommunistisches, wo der Staat besser für die Menschen zu sorgen wisse. "Mein Weltbild ist, dass wir selbstbestimmte, freie Bürger dieses Landes sind." Nur an manchen Stellen müsse der Staat nachbessern. Problemfälle gibt es aber immer. "Vor allem Armut und soziales Leid ist immer individuell."

    Eine Aussage, die wieder Frau Schiff auf den Plan ruft. "Nein, ist es nicht", unterbricht sie wieder. Der Staat sei dafür verantwortlich, die Ärmsten zu schützen und zu unterstützen, hält sie fest. Dass über 350.000 Kinder in Armut leben, sei in einem kleinen Land wie Österreich eine riesige Zahl. 

    Der Kanzler-Konter: Frau Schiffe habe "eine andere politische Einstellung" als er, aber "man kann das Land nicht schlechtreden, für das, was es tut". Österreich sei eines der Länder, das am meisten Verantwortung übernehme.