Eigentlich sollte es ein besonderer Moment werden: In der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" zum Thema politische Radikalisierung und Wehrhaftigkeit der Demokratie wollten Danger Dan und Igor Levit gemeinsam ihren neuen Song "Keine Angst" präsentieren.
Doch wenige Stunden vor der Aufzeichnung in München kam die Absage. Auf Instagram machten die beiden Musiker ihrem Ärger Luft.
"Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen", schreiben sie. Eine offizielle schriftliche Begründung hätten sie zunächst nicht erhalten. Für die Künstler ist aber klar: Die Entscheidung habe "natürlich einen politischen Hintergrund".
Der Song habe dem Sender bereits seit Wochen vorgelegen. Laut Danger Dan und Igor Levit habe sogar der hauseigene Justiziar grünes Licht gegeben.
"Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös", erklären die beiden. Sie kritisieren, dass eine demokratische Debatte über den Song verhindert worden sei.
Auch die Redaktion von "Die Anstalt" stellt sich offenbar gegen die Entscheidung. In einem Statement bezeichnet das Team die Ausladung als "mutlos". Es wäre die "öffentlich-rechtliche Pflicht" gewesen, den Song zu zeigen und anschließend darüber zu diskutieren.
"Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt", heißt es.
Das ZDF weist den Vorwurf einer Zensur zurück. Der Sender erklärt, der Text des Liedes könne "als Aufruf zu Gewalt verstanden werden" und stehe damit "im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF".
Nach einer intensiven redaktionellen Prüfung, an der auch die Geschäftsleitung beteiligt gewesen sei, habe man entschieden, dass ein Konflikt nach einer mehr als siebenminütigen Live-Performance auf der Bühne nicht ausreichend eingeordnet werden könne.
Stattdessen wolle sich das ZDF "zeitnah dokumentarisch-journalistisch" mit dem Song beschäftigen und ihn an anderer Stelle im Programm aufarbeiten.
Dass der Song Diskussionen auslösen könnte, sei ihnen bewusst gewesen, schreiben die Künstler. Genau solche Debatten seien aber Teil einer Demokratie.
Die Absage habe sie dennoch getroffen: "Es fühlt sich scheiße an, ausgeladen zu werden, und es macht Angst vor dem, was gerade auf uns zukommt."
Für Danger Dan und Igor Levit ist der Fall deshalb mehr als nur ein gestrichener Auftritt. Sie sehen darin ein Signal für den Umgang mit politischen Künstlern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
Das ZDF hingegen betont: Es gehe nicht um eine Einschränkung der Kunstfreiheit, sondern um die Verantwortung des Senders und die Einhaltung der eigenen Programmrichtlinien.