Wenn Körper und der Geist nicht mehr perfekt funktionieren, müssen andere einspringen. Die Pflege ist ein Knochenjob: Patienten bewegen, für ihre Körper-Hygiene sorgen, den Haushalt führen. Etwa 500.000 Menschen sind in Österreich auf Pflege angewiesen, es ist eine der ganz großen Herausforderungen unserer Zukunft: Wir werden immer älter, doch die Infrastruktur ist noch lange nicht bereit dafür.
Zum internationalen Tag der Pflege spricht Ajsa T. (43) offen über die harte Realität ihres Berufs. "Zu den größten Herausforderungen zählen der Zeitdruck, die emotionale Belastung und die Verantwortung gegenüber den Bewohnern."
Seit 2016 arbeitet die Burgenländerin in der Pflege. Angefangen hat alles als Pflegeassistentin im Pflegekompetenzzentrum Großpetersdorf. Heute ist sie Wohnbereichsleiterin im Samariterbund Pflegekompetenzzentrum Strem. Dazwischen liegen Jahre voller Ausbildung, Verantwortung und Belastung.
Besonders schwierig sei, dass im Alltag oft die Zeit fehle. "Gleichzeitig ist es wichtig, jeder Person mit Geduld und Wertschätzung zu begegnen." Doch genau das werde immer schwerer, weiß Ajsa T.
Denn der Druck in der Pflege habe in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. "Die Anforderungen, die Dokumentation und der Zeitdruck sind deutlich gestiegen." Neben der eigentlichen Betreuung der Bewohner fallen immer mehr organisatorische Aufgaben an.
Der Arbeitsalltag beginnt mit Übergaben und Pflegeplanung, danach folgen Betreuung, Gespräche mit Angehörigen und laufende Organisation. "Kein Tag ist wie der andere." Gerade diese Unberechenbarkeit koste oft Kraft.
Dazu kommt die emotionale Belastung. Besonders Abschiede gehen Ajsa T. nahe: "Schwierige Momente sind vor allem Abschiede von Bewohnern oder Situationen, in denen man trotz aller Bemühungen nicht mehr helfen kann."
Trotz der Belastung versucht sie seit Jahren, Beruf, Familie und Weiterbildung unter einen Hut zu bringen. Neben der Arbeit absolvierte sie berufsbegleitend das Diplom für Gesundheits- und Krankenpflege sowie später eine Management-Ausbildung – gleichzeitig kümmert sie sich um ihre Familie mit zwei Kindern.
Was sie sich für die Zukunft wünscht, ist klar: "Mehr Zeit für die Bewohner, eine bessere Personalausstattung sowie weniger bürokratischen Aufwand." Vor allem fehle oft die Wertschätzung für Menschen in Pflegeberufen.
Trotz allem hält die zweifache Mutter am Beruf fest. Nicht wegen des Geldes oder der Arbeitsbedingungen – sondern wegen der Menschen, wie sie sagt. "Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und anderen Menschen den Alltag zu erleichtern, ist ein großer Antrieb." Ihre Abschlussworte: "Ich würde mich jederzeit wieder für die Pflege entscheiden.“