Zensur von Fernsehsender?

Zensierte Genitalien bei Olympia sorgen für Aufsehen

Italiens TV-Sender RAI steht in der Kritik, weil im offiziellen Vorspann der Winterspiele ein berühmtes Da-Vinci-Meisterwerk verändert gezeigt wird.
Sport Heute
13.02.2026, 10:46
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olympia live
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Italiens öffentlich-rechtlicher Sender RAI sieht sich wegen angeblicher Zensur eines weltberühmten Kunstwerks heftiger Kritik ausgesetzt. Im Vorspann der Live-Übertragungen zu den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina ist Leonardo da Vincis "Vitruvianischer Mensch" zwar originalgetreu nachgebildet – allerdings ohne männliche Genitalien. Die Animation wird täglich mehrfach auf den Olympia-Kanälen ausgestrahlt.

Der Opener ist eine farbenreiche, symbolische Clip-Inszenierung, die Sportarten und Austragungsorte der Spiele mit Italiens kultureller Identität verbindet. Zu Beginn erscheint Leonardos berühmte Zeichnung, mit der der Renaissance-Künstler die idealen Proportionen des menschlichen Körpers zwischen Kreis und Quadrat darstellte. In der Olympia-Version der RAI verwandelt sich die Figur anschließend in Eiskunstläufer, Skifahrer und andere Wintersportler.

Auffällig ist jedoch ein Detail: Dem "olympischen Menschen" fehlen die im Original deutlich sichtbaren Genitalien. Körperbau, Gesichtszüge und Proportionen entsprechen der Vorlage – bis auf diesen entfernten Bestandteil. Die Figur wirkt glatt und geschlechtslos, beinahe wie eine Spielfigur. Warum das Detail entfernt wurde, sorgt in Italien für Diskussionen, wie unter anderem der "Corriere della Sera" berichtet.

Als mögliche Erklärung wird auf Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verwiesen, wonach "explizit sexuelle Inhalte streng verboten" sind. Ebenso wird spekuliert, ob die Anpassung als Schritt in Richtung größerer Inklusivität gedacht war.

Produziert wurde der Vorspann von Olympic Broadcasting Services für Mailand-Cortina 2026 und anschließend den Rechteinhabern – darunter auch der RAI – zur Verfügung gestellt. Laut "Corriere della Sera" wurde die Version in den RAI-Redaktionen geprüft und freigegeben.

Mittlerweile hat der Fall auch eine politische Dimension erreicht. Die Oppositionspartei Partito Democratico (PD) kündigte eine parlamentarische Anfrage an Kulturminister Alessandro Giuli an. Dabei soll geklärt werden, ob die RAI formell zur Nutzung des Bildes berechtigt war und ob im Rahmen dieser Genehmigung Veränderungen am Original zulässig waren. Die Demokraten fordern Transparenz darüber, ob alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten wurden – und sprechen von einer "offensichtlichen Verunstaltung".

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.02.2026, 11:06, 13.02.2026, 10:46
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