Nach dem millionenschweren Juwelenraub im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) erhebt eine Augenzeugin schwere Vorwürfe. Sie erlebte die Tat aus unmittelbarer Nähe – und berichtet, dass zunächst weder ein Alarm zu hören noch Sicherheitspersonal bei der aufgebrochenen Vitrine zu sehen gewesen sei.
Sonja T. widerspricht im Gespräch mit der "Presse" der Darstellung der Museumsleitung. Diese sei "beschönigend", was sie sehr "verärgert" habe. "Nach meinem Empfinden gab es für diese Ausstellung keinerlei Sicherheitsvorkehrungen, keine Taschenkontrollen, nichts", sagt sie. "Ich betrat die Ausstellung mit meiner Handtasche, die relativ groß ist. Niemand sah mich auch nur an."
Nur etwa zwei Minuten bevor die Täter zuschlugen, hatte T. das später gestohlene Collier noch selbst betrachtet. Kurz darauf hörte sie ein "sehr lautes, dumpfes Klopfen", das so heftig gewesen sei, "dass die Trennwände der Ausstellung vibrierten".
"Das Klopfen wiederholte sich – wie wir jetzt offiziell wissen: 41 Mal – über Minuten", schildert sie. Schließlich kam eine Besucherin aus Richtung der Vitrine und sagte: "Da schlägt gerade jemand eine Vitrine ein." T. reagierte: "Was? Aber warum geht dann kein Alarm los?"
Als die Schläge verstummten, ging sie zurück und sah die kreisrund gesplitterte Vitrine sowie Scherben am Boden. "Ich möchte betonen, dass zu diesem Zeitpunkt noch immer keinerlei Sicherheitspersonal oder andere Museumsmitarbeiter vor Ort waren", sagt T.
Weil weiterhin kein Alarm zu hören gewesen sei und Besucher sogar Fotos machten, ging sie zunächst von einem gescheiterten Raubversuch aus. Erst wenig später forderte ein Mitarbeiter sie auf, die Ausstellung zu verlassen.
Im Foyer hörte T., dass zwei Täter geflüchtet seien. Eine Mitarbeiterin habe zudem einem Kollegen erzählt, dass ihr jemand eine Pistole ins Gesicht gehalten habe. Die Zeugin erwartete daraufhin, dass das Museum abgeriegelt und Besucher befragt würden.
"Aber nichts dergleichen geschah. Alle Besucher spazierten entweder in andere Teile des Museums oder – wie ich – hinaus." Vor dem Gebäude standen bereits Polizeiwagen. "Ich verließ das Museum sehr zögerlich, hielt sogar Ausschau nach Polizisten, um zu fragen, ob ich tatsächlich einfach gehen könne. Die ganze Situation ließ mich an Kottan denken."
Seit Freitag werden bei der betroffenen "Glanzstücke"-Ausstellung laut MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein Metalldetektoren eingesetzt. Laut "Kurier" müssen Taschen und Rucksäcke an der Garderobe abgegeben werden.
Zudem seien zehn Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz und die Videoüberwachung werde erweitert. Diese Maßnahmen seien laut Hollein bereits vor Beginn der Ausstellung getroffen worden. Die Metalldetektoren sollen laut "ZiB" zumindest bis zum Ausstellungsende am 27. September bleiben.
Die internationale Lichtbildfahndung nach den Männern läuft weiter. Nach "Heute"-Informationen sind inzwischen jedoch zahlreiche Hinweise auf die beiden Täter eingelangt.