Ende März 2026 geht in Zistersdorf ein Allgemeinmediziner in Pension. Wenn bis dahin kein Nachfolger gefunden wird, bleibt in der Gemeinde mit knapp 5.500 Einwohnern nur noch eine Hausärztin übrig.
Genau das versucht man, wie orf.at berichtet, schon seit Monaten zu verhindern. Bürgermeister Elmar Schöberl (ÖVP) setzt etwa auf ein Imagevideo auf der Homepage der Stadtgemeinde, um die Attraktivität der freien Stelle zu erhöhen.
Interessenten für die Hausarztstelle könnten außerdem barrierefreie Räumlichkeiten bekommen. Es gibt bereits einen Beschluss, diese in eine Ordination umzubauen. Da es in Zistersdorf aber eine Apotheke gibt, darf der neue Hausarzt keine Hausapotheke führen. Das macht die Stelle für viele Ärztinnen und Ärzte weniger interessant.
Dieses Problem ist in der Region bekannt. Auch im nahegelegenen Dürnkrut (Bezirk Gänserndorf) gibt es laut Schöberl eine Apotheke. Dort sind derzeit sogar beide Hausarztstellen unbesetzt. Anfang Oktober gingen beide Hausärzte in Pension. Für diese Stellen gibt es laut der Ärztekammer Niederösterreich bereits Bewerbungen. Die Ärztekammer betont, dass jeder Interessent mit allen verfügbaren Mitteln unterstützt wird.
Kurienobfrau Dagmar Fedra-Machacek erklärt gegenüber dem "ORF NÖ": "Unsere Verantwortung liegt in der Ausschreibung der Stellen sowie in der bestmöglichen Unterstützung und Begleitung bei der Übernahme einer Kassenarztstelle. Die Entscheidungsfindung der Kolleginnen und Kollegen hängt oft auch von privaten und familiären Umständen sowie von den jeweiligen Rahmenbedingungen in den Gemeinden ab – das können wir nicht erzwingen."
Viele junge Medizinerinnen und Mediziner lehnen laut Ärztekammer Niederösterreich eine Kassenordination ab. Sie hätten nicht für eine "Vier-Minuten-Medizin im Akkord" studiert. Es brauche einen modernen Honorarkatalog, der die Zuwendungsmedizin wieder in den Mittelpunkt rückt, so Fedra-Machacek. Anfang Juli waren in Österreich in der Allgemeinmedizin 175 Kassenstellen offen.