Zu diesem Anwesen gehört ein Freimaurer-Tempel

In Bethlehem, Pennsylvania, gibt es ein leerstehendes Anwesen. Das Spezielle daran? Der Freimaurer-Tempel, der an die Küche angebaut ist.

Dieses ungewöhnliche Duo von verlassenen Gebäuden befindet sich in Bethlehem, einer Stadt mit rund 75'000 Einwohnern im Osten des Bundesstaates Pennsylvania.

Heimat der Schönen und Reichen

Bethlehem war einst eine der reichsten Industriestädte der USA – hier stand nicht nur das Hauptquartier von Bethlehem Steel, der zweitgrößten Stahlfirma des Landes, sondern auch die Lehigh Valley Railroad, deren Streckennetz wegen des Kohletransports auch als Black-Diamond-Route bekannt wurde.

Die Lehigh Valley Railroad geht von Buffalo über Pennsylvania bis nach New York. Es floss also viel Geld, auf verschiedenen Wegen, durch die Stadt im Osten der USA. Entsprechend bauten viele erfolgreiche und vermögende Unternehmer herrschaftliche Häuser in Bethlehem.

Von den Freimaurern gerettet

Einer dieser Unternehmer war E. P. Wilbur, dessen erster Vorname Elisha war. Er gründete die Lehigh Valley Railroad und ließ 1863 ein Haus auf einem Hügel bauen, von dem er die Gleise überblicken konnte, die ihm sein Vermögen beschert hatten. Auch sein Haus sollte seines Vermögens würdig sein: Ein kleines Schlösschen, komplett mit Turm. Übrigens: Wilburs Haus war eines der wenigen in Bethlehem mit Telefonanschluss.

Die Depression von 1893 setzte Lehigh Valley Railway schwer zu. Wilbur verließ seine Firma und starb 1910 in New York. Seine Villa ließ er unbeaufsichtigt zurück, es drohte der Verfall. Das Haus wurde von einer Organisation gerettet, mit der niemand gerechnet hätte: Die Freimaurer.

Viktorianisches Herrenhaus und Art-Deco-Tempel

1925 bauten die Freimaurer, die seit 1853 in Bethlehem vertreten waren, einen Art-Deco-Tempel, der mit der Küche von Wilburs Herrenhaus verbunden wurde. Die beiden Gebäude stehen in einem großen Kontrast zueinander, was die Freimaurer keineswegs davon abhielt, beide zu nutzen.

Fast 90 Jahre lang trafen sich die Freimaurer im Tempel und hielten im Herrenhaus Veranstaltungen ab. Bis sie 2013 von einem Skandal erschüttert wurden: Der Bankettmanager, der für die Veranstaltungen zuständig war, hatte über eine 250'000 Dollar veruntreut. Die Ersparnisse waren erschöpft, die Freimaurer verkauften das Haus und den Tempel.

Es droht der Abriss

Heute steht das Haus leer, obwohl es 2015 verkauft wurde. Die neuen Besitzer planen Wohnungen im Herrenhaus, der Tempel muss aber voraussichtlich abgerissen werden. "Jahrzehnte mit Schimmel und verrottete Stahlträger unmöglich machen eine Rettung des Tempels", werden die Besitzer in Medien zitiert.

(mst)

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