Barbara Steiner wohnt nur wenige Schritte vom berühmten Bauhaus-Gebäude in Dessau entfernt. Aus dem Fenster sieht die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau Architekturgeschichte. Doch rund um das Welterbe ist längst ein politischer Streit entbrannt.
Die Niederösterreicherin ist in Sachsen-Anhalt ins Visier der AfD geraten. Die Partei attackiert nicht nur das Bauhaus als Symbol der Moderne, sondern auch die Arbeit der Stiftung. Im Gespräch mit der "Krone" schildert Steiner die Anfänge der Angriffe im Landtag: "So ging das los."
Für die AfD ist das Bauhaus offenbar ein Feindbild im Kulturkampf. Steiner beobachtet, dass die Angriffe inzwischen teils anders verpackt würden. Man sage nicht immer offen, man habe etwas gegen das Gebäude. Stattdessen heiße es, das Bauhaus sei kulturell zu dominant.
Die Direktorin lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie sucht nach eigenen Angaben auch den Dialog mit der Gegenseite, macht aber zugleich klar, dass das Bauhaus nicht in der Vergangenheit stehen geblieben sei. "Nichts läge uns ferner, als weiße Kästchen in die Landschaft zu bauen", sagt Steiner. Heute gehe es der Stiftung unter anderem um nachhaltiges Bauen und Zirkulärwirtschaft.
Im Alltag sind die politischen Angriffe dennoch spürbar. Körperlich attackiert wurde Steiner nicht. Im Netz tauchen laut ihr aber spöttische Kommentare auf: "Was will denn eine Österreicherin uns Deutschen sagen?"
Besonders beunruhigt zeigt sich Steiner über die Stimmung in der Region. Internationale Studierende und Menschen mit dunklerer Hautfarbe würden sich zunehmend unwohl fühlen. Auch Touristen sollen bereits schreiben, dass sie nicht mehr nach Sachsen-Anhalt reisen wollen.
Als öffentlich-rechtliche Einrichtung darf sich die Stiftung nicht parteipolitisch äußern. Wenn jedoch die eigene Arbeit herabgewürdigt oder das Grundgesetz verletzt werde, müsse sie Haltung zeigen, so Steiner. Sorgen um ihren Vertrag bis 2031 macht sie sich derzeit nicht: Im Stiftungsrat hat die AfD keine absolute Mehrheit.