Heute jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl-Katastrophe zum 40. Mal. Am 26. April 1986 erschütterte die Explosion eines Reaktors nahe der Stadt Prypjat die Welt – mit Folgen, die bis heute nachwirken.
Passend zu diesem Jahrestag erscheint nun eine besondere Neuinterpretation eines der wichtigsten Werke über die Tragödie: "Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft" (Carlsen Verlag) der weissrussischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch wird als Manga adaptiert – und macht die Ereignisse in eindringlichen Bildern für eine neue Generation zugänglich.
Das Originalwerk gilt als Meilenstein der dokumentarischen Literatur. Über Jahre hinweg sammelte Alexijewitsch Berichte von Überlebenden, Angehörigen und Einsatzkräften aus Belarus und der Ukraine.
Ihr Ziel: den Opfern eine Stimme zu geben und das unvorstellbare Ausmaß der Katastrophe greifbar zu machen.
Die neue Comic-Adaption bleibt diesem Ansatz treu. Sie erzählt keine fiktive Geschichte, sondern übersetzt reale Schicksale in eine visuelle Sprache – zugänglich für Leserinnen und Leser ab etwa 15 Jahren.
Die Explosion in Tschernobyl zerstörte nicht nur den Reaktor, sondern auch das Leben von Millionen Menschen.
Ganze Regionen wurden unbewohnbar, Familien auseinandergerissen, Existenzen ausgelöscht. Die Folgen von Strahlung, Verlust und Trauma prägen die betroffenen Gebiete bis heute.
Gerade deshalb bleibt das Werk von Alexijewitsch aktuell: Es erzählt von Angst, Ohnmacht und Schweigen – aber auch von Menschlichkeit und Überleben.
Swetlana Alexijewitsch, 1948 geboren und in Belarus aufgewachsen, zählt zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2015 den Nobelpreis für Literatur.
Zur Manga-Adaption ihres Buches äußerte sie sich positiv überrascht: "Eine große Überraschung für mich, mein Buch in dieser ganz anderen – und sehr schönen – Form zu sehen! Ich hoffe, dass es so auch neue, junge Leser erreicht!", so Alexijewitsch.
Vier Jahrzehnte nach der Katastrophe zeigt die Comic-Version eindrucksvoll, dass die Geschichte von Tschernobyl nicht abgeschlossen ist. Sie bleibt Mahnung – und Erinnerung daran, wie verletzlich unsere Welt ist.