Thurnher folgt auf Weißmann

"Habe ORF eintätowiert" – neue Chefin mit Job-Ansage

Thurnher stellt sich erstmals als ORF-Generaldirektorin den Medien und zeigt sich souverän. Zur Weißmann-Causa zieht sie klare Grenzen.
Heute Entertainment
24.04.2026, 12:22
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Der österreichische Rundfunk steht vor einem personellen Umbruch: Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann ist die Führungsspitze des ORF plötzlich vakant. Auslöser sind schwere Vorwürfe, die Weißmann selbst zwar zurückweist – der öffentliche und interne Druck wurde letztlich jedoch zu groß.

Nun steigt die Aufmerksamkeit rund um Ingrid Thurnher: Sie wurde gestern Abend (Donnerstag, 23. April) zur neuen Generaldirektorin des ORF ernannt. Ihre Amtszeit ist zunächst bis Ende 2026 angesetzt.

Mit ihrer Bestellung beginnt eine neue Phase für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich, die sowohl in der Medienbranche als auch in der Öffentlichkeit mit Spannung beobachtet wird. Am Freitagvormittag äußerte sie sich erstmals zu ihrer neuen Position, zur Weißmann-Causa und zur Zukunft des ORF.

Der ORF hat jede Menge Arbeit vor sich

Ingrid Thurnher nehme die Aufgabe "mit großem Respekt" an, betonte sie – sowohl vor der Verantwortung des Amtes als auch gegenüber dem Publikum.

Die Gründe, warum der ORF zuletzt immer wieder in den Schlagzeilen stand, würden nun sorgfältig aufgearbeitet. Berichtet wurde unter anderem über Machtkämpfe und Vorwürfe sexueller Belästigung. Diesen Themen wolle man sich konsequent widmen – gleichzeitig aber unter Wahrung des individuellen Schutzes der Betroffenen. Transparenz sei das Ziel, allerdings erst dann, wenn klare und gesicherte Erkenntnisse vorliegen.

Ein besonderer Fokus liege auf dem Ausbau von Schutzstrukturen. Der ORF arbeite intensiv an internen und externen Programmen sowie Schulungen, insbesondere zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

ORF-Generaldirektorin Thurnher lud zum Pressegespräch ein und stellte sich einigen Fragen.
ORF

"Für mich als Frau ist eines klar: Einen sexualisierten Blick auf Frauen darf es nicht geben", stellte sie fest. Ob es sich in konkreten Fällen um sexuelle Belästigung handle, müssten entsprechende Schutzmechanismen beurteilen. Gleichzeitig richtete sie einen klaren Appell an Betroffene: "Wer im ORF sexualisierte Übergriffe erlebt, soll sich bitte melden."

Trotz der aktuellen Debatten betonte sie auch die positiven Seiten des Unternehmens: "Im ORF arbeiten viele Menschen, die einen großartigen Job machen." Für zahlreiche Menschen sei der ORF zudem ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Alltags, so Thurnher.

Thurnher stellt Weichen für einen innovativeren ORF

Der ORF dürfe sich in der Aufarbeitung der aktuellen Vorfälle nicht verlieren, betonte sie – schließlich gebe es auch zahlreiche andere Aufgaben zu erfüllen.

Thurnher kündigte in diesem Zusammenhang an, sechs strategische Weichen stellen zu wollen: Ziel sei es, verloren gegangenes Vertrauen durch mehr Transparenz zurückzugewinnen, eine konsequente Publikumsorientierung sicherzustellen und den ORF klar zu positionieren. Zudem sollen zukunftsfitte Programmrichtlinien entwickelt, eine duale Strategie in Bezug auf Marke und Inhalte verfolgt werden, um den Fortbestand des ORFs zu sichern. Außerdem liegt der Fokus seit jeher auf einem Programm, das die Menschen verbindet.

Wie geht es mit dem ORF weiter?

Der ORF befindet sich neben personellen Herausforderungen zudem auf Sparkurs. Die Programme seien davon jedoch nicht betroffen, so Thurnher. Vielmehr gehe es darum, effizienter zu arbeiten.

Auch wenn sie sich für ihre bis Ende 2026 laufende Amtszeit viel vorgenommen hat, zeigt sie sich optimistisch und motiviert. Sie wolle anpacken, ins Handeln kommen und die "Weichen stellen" für einen innovativen ORF.

Thurnher: "Ich habe ORF eintätowiert."
ORF

Als ORF-Veteranin fühle sie sich dem Unternehmen eng verbunden: "Ich liebe dieses Haus", sagte sie. "Ich habe das hier eintätowiert", fügte sie hinzu und deutete auf ihre Stirn. Ob sie sich allerdings für die nächste Amtsperiode von 2027 bis 2031 bewerben wird, habe sie sich noch nicht überlegt.

Zur Causa Weißmann

Die Generaldirektorin schlägt sich während der Fragerunde in der Pressekonferenz wacker und beantwortet alle Fragen souverän. Zur Weißmann-Causa äußert sie sich klar: Juristische Angelegenheiten wolle man nicht öffentlich verhandeln, "mehr ist dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen".

Auch arbeitsrechtliche Konsequenzen würden nicht öffentlich kommentiert – "das steht außer Debatte", stellte Thurnher klar.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 24.04.2026, 12:38, 24.04.2026, 12:22
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