Beim ORF steht eine richtungsweisende Entscheidung bevor: In einer Sondersitzung des Stiftungsrats wird nicht nur über die Rolle von Interimschefin Ingrid Thurnher beraten, sondern auch über die künftige Führung des Senders.
Eigentlich hätte Thurnher nach der Ausschreibung bis Jahresende im Amt bestätigt werden sollen. Doch nach den Turbulenzen rund um den Rücktritt von Roland Weißmann und jüngste Diskussionen könnte alles anders kommen. Hinter den Kulissen wird mit einer hitzigen Sitzung gerechnet, ein Insider meint sogar, "die Fetzen fliegen".
Kernpunkt ist ein Vorstoß zur Vorverlegung der Wahl der neuen ORF-Geschäftsführung. Statt wie geplant im August soll bereits am 11. Juni entschieden werden, wer ab 2027 übernimmt. Begründet wird das mit der "außergewöhnlichen Situation, in der sich der ORF befindet".
Für Thurnher hätte das Folgen: Sobald eine neue Führung feststeht, müsste sie wichtige Entscheidungen mit dieser abstimmen. Ihr Handlungsspielraum wäre damit deutlich eingeschränkt.
Zusätzlich soll die Kontrolle verschärft werden. Geplant ist, dass Vereinbarungen abseits bestehender Regeln künftig dem Stiftungsrat vorgelegt werden müssen - etwa bei Gehältern, Boni oder Zusatzleistungen. Auch ein eigener Personalausschuss ist vorgesehen, der solche Fälle prüft.
Ein weiterer Antrag zielt auf strengere Compliance-Regeln für Stiftungsräte ab. Unabhängigkeit und Vertraulichkeit sollen stärker abgesichert werden.
Parallel sorgt die Causa Weißmann weiter für Wirbel. Der ehemalige Generaldirektor fordert die Offenlegung eines Berichts über sein Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin. Die veröffentlichten Chat-Auszüge seien "aus dem Zusammenhang gelöste Auszüge, die kein zutreffendes Gesamtbild der Beziehung zeichnen".
Es sei "nicht länger hinnehmbar, dass durch selektive Veröffentlichungen sein höchstpersönlicher Lebensbereich offengelegt" werde.
Der Bericht sei ein "Schlüsseldokument, das den vollständigen Sachverhalt abbildet" und beide Seiten würdige. Gegen die Veröffentlichung will Weißmann rechtlich vorgehen.