Die Causa Roland Weißmann sorgt am Küniglberg weiter für Wirbel. Nachdem der frühere ORF-Generaldirektor am Donnerstag angekündigt hatte, seine Kündigung anzufechten und Ansprüche von fast vier Millionen Euro geltend zu machen, meldete sich am Freitag die jene Mitarbeiterin, die Weißmann Fehlverhalten ihr gegenüber vorwirft, via "profil" zu Wort. Sie bleibt bei ihrer Darstellung und will nun selbst rechtlich gegen den ORF und Weißmann vorgehen.
Brisant ist die Sache auch deshalb, weil die jüngst abgeschlossene Compliance-Prüfung des ORF zu dem Schluss kam, dass im Fall Weißmann keine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn festgestellt wurde. Zugleich hielt der ORF fest, dass Compliance- und ethische Standards verletzt worden seien. Der externe Jurist Christopher Schrank sagte dazu, aus seiner Sicht habe sich der Eindruck ergeben, dass der Austausch für keine der beiden Seiten unerwünscht gewesen sei.
Die betroffene Frau sieht das völlig anders. Laut "profil" sagt sie klar: "Ich wurde sexuell belästigt." Ja, es habe eine persönliche Ebene gegeben, aber keine Einvernehmlichkeit in einem Zusammenhang mit sexuellem Beigeschmack.
Mit Unterstützung unter anderem der Rechtsanwältin Sieglinde Gahleitner will sie die Bewertung der Compliance-Untersuchung anfechten. Geplant ist zunächst ein außergerichtliches Anspruchsschreiben an den ORF und an Weißmann. Gefordert werden Schutzmaßnahmen, die Absicherung gegen berufliche Nachteile, 25.000 Euro Schadenersatz sowie die Abgeltung entstandener und möglicher künftiger Kosten.
Die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher reagierte mit Respekt auf den neuerlichen öffentlichen Schritt der Mitarbeiterin. Gleichzeitig betonte sie, dass für das Vorgehen des ORF die Einschätzung interner und externer Rechts- und Compliance-Experten maßgeblich gewesen sei. Dass eine rechtliche Prüfung zu einem bestimmten Ergebnis komme, bedeute aber nicht, dass das persönliche Erleben der Betroffenen gering geschätzt werde. Zu weiteren rechtlichen Schritten wolle sich der ORF nicht inhaltlich äußern.
Zusätzlichen Zündstoff bringt ein weiterer Jurist in die Affäre: Roland Gerlach, der den ORF-Stiftungsrat beraten hat, sagte laut "Presse", er halte Weißmanns Verhalten weiterhin für sexuelle Belästigung im Sinn des Gleichbehandlungsgesetzes. Die gegenteilige Bewertung der Compliance-Kommission teile er nicht. Laut Gerlach würden Protokolle von Telefonaten und Chats dieses Bild stützen.
Weißmann selbst weist die Vorwürfe weiter entschieden zurück. Fest steht damit jedenfalls – die juristische Auseinandersetzung wird intensiv.