"SMS, Tonträger und Fotos"

Rücktritt von Weißmann – jetzt kommt alles ans Licht

Nach Vorwürfen sexueller Belästigung trat ORF-Chef Roland Weißmann zurück. Stiftungsratschef Heinz Lederer erklärt nun, wie es dazu kam.
André Wilding
10.03.2026, 10:16
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Der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann schlägt weiter hohe Wellen. Hintergrund sind Vorwürfe sexueller Belästigung durch eine ORF-Mitarbeiterin. In der "ZiB2" erklärte Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer nun, wie es zu dem raschen Abgang des ORF-Chefs gekommen ist.

Weißmann galt bis zuletzt als Favorit für eine weitere Amtszeit. Bei der anstehenden Neubestellung des ORF-Direktoriums im August war mit einer Wiederbewerbung gerechnet worden. Durch die aktuellen Ereignisse ist das nun vom Tisch.

"Schrift-, Ton- und Bildmaterial"

Laut Lederer wandte sich in der Vorwoche der Anwalt der betroffenen Mitarbeiterin an den ORF-Stiftungsrat und machte die Vorwürfe öffentlich. Dabei sei auch entsprechendes Material übergeben worden. Der Vorsitzende erklärte, ihm seien "Schrift-, Ton- und Bildmaterial gezeigt, die den Vorwurf darstellen lassen".

Nach Angaben Lederers verlangte die Betroffene keine finanzielle Entschädigung. Ihr Anliegen sei ein anderes gewesen: der Rücktritt des Generaldirektors. "Der Anwalt der betroffenen Person hat uns noch einmal klargemacht, dass er auf verschiedenen Tonträgern, auch auf SMS und auch in Fotos bestimmte sexualisierte Inhalte sind, und dass hier das Problem eines Übergriffs gegeben sein könnte", erklärte Lederer in der "Zeit im Bild 2".

Weißmann weist Vorwürfe zurück

Weißmann selbst weist die Vorwürfe entschieden zurück. Über seinen Anwalt sprach er von einer "überschießenden Reaktion". "Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte", heißt es in einer Stellungnahme von Anwalt Oliver Scherbaum.

Und weiter: "Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher am Sonntag 08. März 2026 um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück."

Der Vorfall selbst soll bereits einige Jahre zurückliegen. Es gehe um einen Umgang mit einer Mitarbeiterin, der laut Darstellung nicht mit einem professionellen Arbeitsumfeld vereinbar gewesen sein soll.

Ingrid Thurnher übernimmt Führung

Der ORF muss nun rasch eine Übergangslösung finden. Ab Donnerstag soll Radiodirektorin und frühere "ZiB2"-Moderatorin Ingrid Thurnher interimistisch die Führung übernehmen. Sie wird das Amt bis zur Bestellung eines neuen Generaldirektors führen, die voraussichtlich mit 1. Jänner 2027 wirksam wird.

In der "ZiB2" betonte Lederer, bei solchen Vorwürfen gebe es keinen Spielraum. Transparenz sei oberstes Gebot. Auf die Frage, ob dieselben Maßstäbe auch für Mitglieder des Stiftungsrates gelten, stellte er klar, dass diese selbstverständlich für alle gelten würden. Sollten Verfehlungen auftreten, müssten sie aufgeklärt werden.

Für Roland Weißmann gilt die Unschuldsvermutung.

{title && {title} } wil, {title && {title} } Akt. 10.03.2026, 10:42, 10.03.2026, 10:16
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