Knalleffekt im ORF! Generaldirektor Roland Weißmann hat sein Amt niedergelegt. Das gab der Stiftungsrat, das Kontrollgremium des öffentlich-rechtlichen Senders, am Montagvormittag bekannt – "Heute" berichtete.
Hintergrund für den Rücktritt des 57-Jährigen sind Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin. Sie wirft Weißmann vor, sie im Jahr 2022 sexuell belästigt zu haben. Weißmann weist die Anschuldigungen zurück – für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt spricht von einer "überschießenden Reaktion".
Bis eine neue Führung gewählt ist, soll die aktuelle Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher den ORF interimistisch leiten. Der Stiftungsrat will sie bei seiner Sitzung am Donnerstag offiziell mit der vorläufigen Geschäftsführung beauftragen.
Die Wahl eines neuen Generaldirektors soll dennoch wie geplant stattfinden. Der oder die neue Chefin soll laut Stiftungsrat mit Jänner 2027 die Leitung des ORF übernehmen.
Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Lederer, erklärte, der Vorwurf verlange eine "rasche und transparente Aufklärung". Gleichzeitig müsse der Schutz der betroffenen Person "oberstes Ziel" sein. Lederer und sein Stellvertreter Gregor Schütze bedankten sich in der Aussendung auch bei Weißmann für seine Verdienste und seine rund 30-jährige Tätigkeit im ORF.
Lederer betonte zudem: Es sei "die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können" und der laufende Betrieb gesichert bleibt.
"Für mich ist es heute ein besonderer Tag", teilt Sonja Sagmeister auf ihrem X-Profil mit. Die Journalistin berichtete 30 Jahre lang für den ORF aus Brüssel, über EU und NATO, aus der Welt der internationalen Politik und zählte zu den bekanntesten Gesichtern im Österreichischen Rundfunk.
Doch nach einem Vorfall im Jahr 2022 war plötzlich Schluss. Der Grund: ein Interview mit Ex-Wirtschaftsminister Martin Kocher – und Sagmeisters Weigerung, sich an politische Vorgaben zu halten.
"Ich bin eine Frau - die von ORF GD Roland Weißmann- persönlich 2x gekündigt wurde. Als Topjournalistin bin ich gegen Missstände 'Bestell-Interview' und Männer 'hate' aufgestanden. Es hat mir geschadet", schreibt die ehemalige ZIB-Moderatorin.
Laut Sagmeister habe Weißmann einen "speziellen Typ Mensch und Typ Mann gefördert. Mutige Frauen durften im ORF sanktionsbefreit bekämpft und gedemütigt werden. Es war eine Ära der Schweigespirale, die dem ORF leider auch journalistisch geschadet hat."
Nur die wenigsten Frauen hätten sich getraut, Missstände vor Gericht zu verhandeln - aus Angst vor Demütigung und aus Angst zur "persona non grata" zu werden.
Die Sitzungen des ORF-Stiftungsrats in dieser Woche werden wie geplant stattfinden. Bereits in der Plenarsitzung am Donnerstag soll die amtierende Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher auf Vorschlag von Schütze und Lederer mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Generaldirektors beauftragt werden, die den ORF aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in leitenden redaktionellen Funktionen und nun seit mehr als vier Jahren im Direktorium hervorragend führen wird.