Auch Tage nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sind die Folgen des Skandals deutlich spürbar. Nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung öffentlich wurden, stellte das mutmaßliche Opfer nun zwei konkrete Forderungen. Dabei geht es zwar um Geld – allerdings nicht um eine persönliche Zahlung, wie die "Krone" nun berichtet.
Nur wenige Tage vor seinem Rücktritt hatte Weißmann noch andere Pläne. Bei einer kleinen Feier zu seinem 58. Geburtstag in einem westlichen Nobelskiort wollte er im engen Kreis seine erneute Kandidatur für die ORF-Spitze ankündigen.
Aus Regierungskreisen soll es dafür bereits grünes Licht gegeben haben. Da die ÖVP das Nominierungsrecht für den ORF-Generaldirektor hat, galt die Unterstützung von Bundeskanzler Christian Stocker als entscheidend. Doch statt einer Kandidaturankündigung folgte der Rücktritt.
Der Sturz des ORF-Chefs nahm vergangenen Mittwoch seinen Anfang. Der Stiftungsrat wurde über den Anwalt einer ORF-Mitarbeiterin über Vorwürfe sexueller Belästigung informiert. Dem Gremium wurden auch zahlreiche Chat-Dokumente aus der Zeit von kurz vor der ORF-Wahl 2021 bis Ende 2022 übergeben.
Über den Kontakt zwischen der Mitarbeiterin und Weißmann gehen die Darstellungen auseinander. Laut Umfeld der Frau habe es zwar keinen körperlichen Übergriff gegeben, jedoch unangemessene Nachrichten mit sexualisiertem Inhalt in Bild, Ton und Text. Diese seien einseitig gewesen. Von ihr selbst soll lediglich eine kurze Geburtstagsgratulation gekommen sein.
Ursprünglich habe man dem Generaldirektor persönlich nicht schaden wollen, sondern eine andere Unternehmenskultur anstoßen. Dass die Vorwürfe kurz vor der Wahl publik wurden, wird damit erklärt, dass die Frau eine zweite Amtszeit und ein mögliches Abhängigkeitsverhältnis gefürchtet habe.
Neben dem Rücktritt brachte der Anwalt der Mitarbeiterin laut "Krone" zwei Forderungen ein: Weißmann soll die Anwaltskosten der Gegenseite übernehmen und mindestens 25.000 Euro an ein Caritas-Frauenhaus in Wien spenden. Über diese Punkte wird derzeit noch verhandelt.
Intern verteidigt sich Weißmann und spricht von einer gegenseitigen Beziehung unter Erwachsenen. Laut seinem Anwalt Oliver Scherbaum habe er kein Fehlverhalten gesetzt und "sich über Tage hinweg intensiv bemüht, eine Lösung zu finden".
Zudem sei der Rücktritt nicht freiwillig erfolgt, sondern unter Druck zustande gekommen. Scherbaum wirft dem Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, "Unwahrheiten" vor. Dieser habe "ein eigenes Bild der Realität gehabt".
Trotz des Rücktritts könnte der Fall noch vor dem Arbeitsgericht landen – mit ungewissem Ausgang.