Krisenstimmung am Küniglberg: Eine ORF-Mitarbeiterin hat schwere Vorwürfe gegen Generaldirektor Roland Weißmann (57) erhoben. Dabei geht es um sexuelle Belästigung – es gilt die Unschuldsvermutung.
Auch ein heimlich mitgeschnittenes Tonband soll es geben – "Heute" berichtete. Fix ist jedenfalls, dass der ORF-Chef am Sonntag seine Funktion mit sofortiger Wirkung zurücklegte. In seine Fußstapfen soll vorübergehend die aktuelle Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher treten.
Die Causa schlägt nicht nur in der Medienwelt hohe Wellen, auch Stimmen aus der Politik melden sich zu Wort. So auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker, der dem ORF nicht gerade wohlgesonnen gegenübersteht. Im nunmehrigen Rücktritt des Sender-Chefs sieht der Freiheitliche eine "Chance".
Ihm zufolge könne der ORF nun seine "selbstgewählte Rolle als zwangssteuerfinanzierter Regierungslautsprecher" aufgeben. Laut Hafenecker solle sich der Sender "wieder seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag widmen". Der Blaue beklagt, dass der ORF unter Weißmann zum "Haus- und Hof-Propagandaorgan" der Bundesregierung mutiert war.
Konkret beschwert sich der Freiheitliche darüber, dass es zum einjährigen Jubiläum der Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos einen Themenabend mit den drei Parteichefs gab. Hier muss jedoch erwähnt werden, dass am selben Tag auch FPÖ-Chef Herbert Kickl in der "ZIB 2" zu Gast war. Als weitere "jüngste Tiefpunkte" des ORF bezeichnete Hafenecker dann noch die Live-Übertragung des SPÖ-Bundesparteitags und die "ZIB Spezial" zum ÖVP-Neujahrsauftakt.
Unter der neuen Führung von Thurnher solle der Sender nun mehr Distanz zwischen dem Küniglberg und der Regierung herstellen, fordert Hafenecker. Hier sehe der FPÖ-General den Stiftungsrat gefordert. Auch das aktuelle Programm des ORF missfällt dem Freiheitlichen. Es sei von "Einseitigkeit, Bevormundung und links-woken Framing" geprägt. Laut seinem Empfinden würde der Sender nicht objektiv berichten.
Des Weiteren kritisierte Hafenecker die "zahlreichen strukturellen Baustellen" im ORF. Als Beispiel nannte der FPÖ-General den kürzlich veröffentlichten Rechnungshofbericht, "der der ORF-Beitrags Service GmbH OBS ein vernichtendes Zeugnis ausstellte". Hafenecker fordert eine Verschlankung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und ein Ende der ORF-Gebühr.