Roland Weißmann stand auf Wunsch der ÖVP an der Spitze des ORF. Nur kurz vor der anstehenden Wahl dann am Wochenende die Bombe: Schwere Vorwürfe der sexuellen Belästigung, Weißmann trat sofort zurück, wies alle Anschuldigungen aber von sich (es gilt die Unschuldsvermutung).
Auch der neue Generaldirektor wird auf Vorschlag der ÖVP vom Stiftungsrat gewählt. Die SPÖ, immerhin selbst lange Herrscher über den Küniglberg, will da natürlich mitmischen.
"Es ist gut, dass der ORF-Stiftungsrat seine Verantwortung wahrgenommen hat und angesichts offenbar gravierender Vorwürfe gegen den bisherigen ORF-Generaldirektor Weißmann rasch und konsequent gehandelt hat im Sinne der Reputation des Unternehmens", sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer und Mediensprecher Klaus Seltenheim.
Der Stiftungsrat müsse nun die im Raum stehenden Vorwürfe aufklären und für eine gute Geschäftsführung sorgen, immerhin stehen ESC und WM vor der Tür. Einstweilen übernimmt Radiodirektorin Ingrid Thurnher.
"Dazu gesagt sei: Es ist bezeichnend, dass – wie so oft – es Frauen sind, die es wieder einmal richten müssen", ist Seltenheim überzeugt. Eine Geschlechterfrage macht daraus auch Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler, der Schaden vom hohen Ansehen des ORF abwenden will.
Zwar sei jetzt der Stiftungsrat am Zug, aber dem ORF und der Gesellschaft "täte es gut, wäre die Nachfolge eine Generaldirektorin". Sexismus und struktureller Benachteiligung von Frauen müsse entschieden entgegengewirkt werden. "Das gilt auch und insbesondere für den ORF."