Eklat am Küniglberg: Nachdem eine ORF-Mitarbeiterin schwere Vorwürfe gegen Generaldirektor Roland Weißmann erhoben hatte, trat dieser am Sonntag mit sofortiger Wirkung zurück. Bei den Anschuldigungen geht es um sexuelle Belästigung, der nunmehrige Ex-ORF-Boss weist dies zurück – es gilt die Unschuldsvermutung.
In einer Plenarsitzung am Donnerstag soll eine Übergangslösung beschlossen werden. Voraussichtlich wird die aktuelle Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher in die Fußstapfen Weißmanns treten. Nun hat sich der Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Lederer, im Ö1-Mittagsjournal zu Wort gemeldet.
Ihm zufolge gebe es Schrift-, Ton- und Bildmaterial zu den Vorwürfen. Man habe Weißmann eine Frist gesetzt, um den Sachverhalt mit dem Anwalt der Mitarbeiterin zu klären. Bis Samstag habe es hier jedoch keine Einigung gegeben, einen Tag später folgte der Rücktritt. Der Stiftungsrat sei allerdings erst Montagfrüh informiert worden.
Lederer wolle in der Causa "nichts vertuschen". Mit ihm gebe es "Null Toleranz" bei sexuellen Übergriffen. Es werde alles unternommen, um die betroffene Mitarbeiterin zu schützen. Warum die Vorwürfe, die aus dem Jahr 2022 stammen, erst jetzt erhoben wurden, könne sich Lederer nicht erklären – dies tue aber auch nichts zur Sache.
Für den ORF sei dies "ein schwieriger Tag", dies dürfe man "nicht kleinreden". Lederer betonte, dass man für "volle Transparenz" sorgen wolle. Bei den Mitarbeitern, die hervorragende Arbeit leisten würden, entschuldigte sich Lederer für den Vorfall. "Es tut mir einfach auch leid für die Mitarbeiter, dass möglicherweise ein Fehlverhalten des obersten Organs, sprich des Generaldirektors, hier einen Schatten auf uns wirft."
Als Konsequenz schlägt Lederer dem Stiftungsrat die Gründung einer Taskforce vor, die sich alle Fälle – auch jene in der Vergangenheit – genau anschaut. In diesem Bereich wolle man hochrangige Personen einsetzen, versprach der Stiftungsratsvorsitzende.
Ob auch die vorübergehende Stelle für den Generaldirektorposten ausgeschrieben werden muss, lasse man nun von Medienrechtlern klären. Dennoch sei Lederer froh, dass Thurnher nicht gezögert habe, das Unternehmen in der schwierigen Zeit zu unterstützen.