Affäre Weißmann

"Beunruhigend" – brisantes Schreiben an ORF-Chefin

In der Causa Weißmann zweifelt Publikumsratschefin Zgubic-Engleder den Compliance-Bericht an und übt deutliche Kritik am Vorgehen. Die Hintergründe.
André Wilding
18.04.2026, 09:00
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In der Affäre rund um Ex-ORF-Chef Roland Weißmann sorgt der interne Prüfbericht weiter für Wirbel. Nun meldet sich mit Gabriele Zgubic-Engleder eine zentrale Akteurin zu Wort und stellt die Ergebnisse offen infrage – das berichtet das Nachrichtenmagazin "profil".

Die Vorsitzende des Publikumsrats war von Beginn an in die Vorgänge eingebunden. Sie war auch dabei, als der Anwalt der Frau, die Weißmann sexuelle Belästigung vorwirft, Beweise vorlegte. Demnach hielt sie früh fest, dass es sich klar um sexuelle Belästigung handle. Auch in den darauffolgenden Tagen wirkte sie am Krisenmanagement mit.

Umso kritischer fällt nun ihre Reaktion auf den Bericht der ORF-Compliance-Stelle aus. Eine Zusammenfassung wurde den Stiftungsräten Mitte April übermittelt. Darin heißt es: "Im Ergebnis konnte keine sexuelle Belästigung durch Roland Weißmann festgestellt werden." Zudem sei nicht nachweisbar, dass Weißmann seine berufliche Stellung missbraucht habe oder dass sein Verhalten unerwünscht gewesen sei.

"Nicht nachvollziehbar"

Zgubic-Engleder widerspricht in einem Schreiben – es liegt dem "profil" vor an ORF-Chefin Ingrid Thurnher deutlich. Es sei "fatal, wenn öffentlich der Eindruck entsteht, dass im ORF Diskriminierungen stattfinden und mit diesen nicht in der gebotenen Art und Weise umgegangen wird". Ein sensibler Umgang mit den Vorwürfen sei entscheidend, doch: "Die bisherige Vorgangsweise und insbesondere auch das Schreiben der beauftragten Anwaltskanzlei vom 14. April lassen mE dabei durchaus noch Luft nach oben offen." Zudem merkt sie an: "Mehrere Ausführungen scheinen mir rechtlich nicht nachvollziehbar."

Außerdem sei es "äußerst beunruhigend, dass gerade in so einer sensiblen Situation ein vom ORF beauftragtes Gutachten einen solchen falschen Eindruck zu hinterlassen geeignet ist." Auch die Wahl der beauftragten Kanzlei sieht sie kritisch. Diese sei "eher auf anderen Fachgebieten als dem Arbeits- und Gleichbehandlungsrecht spezialisierte Kanzlei" und zudem bereits früher für Weißmann tätig gewesen. Dadurch entstehe der "öffentliche Eindruck der Unbefangenheit", heißt es im Nachrichtenmagazin.

Mehr Transparenz gefordert

Abschließend fordert Gabriele Zgubic-Engleder in dem Schreiben laut "profil" mehr Transparenz. Der Bericht müsse auch anderen Gremien und Experten zugänglich gemacht werden. Wörtlich heißt es: "Es kann nicht sein, dass ein vom ORF eingesetztes 'Geheimgericht' auf Basis von Unterlagen, die niemanden – nicht einmal den Betroffenen (!) - zugänglich gemacht werden, einen faktisch bindenden Spruch fällt, ohne dass dieser einer Überprüfung – sozusagen einer 2. Instanz – unterliegt."

Am 23. April wird Ingrid Thurnher offiziell zur ORF-Generaldirektorin bestellt werden. Ob Zgubic-Engleder ihre Zustimmung gibt, ist offen.

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