ORF – wie wirr: In einer Zusammenkunft des Stiftungsrats wurde am Donnerstag nicht nur TV-Urgestein Ingrid Thurnher (einstimmig) zur vorübergehenden Chefin bestellt. Es kam auch heraus: Der am Sonntag wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung zurückgetretene Ex-General Roland Weißmann hat gar keine strafrechtlich relevanten Verfehlungen begangen.
Dies sei in der Sitzung, bei der ein Brief der betroffenen Frau ("Hatte Angst") verlesen wurde, ausgeräumt worden, so FP-Stiftungsrat Peter Westenthaler. Hintergrund: In vorgelegten Chats von Weißmann mit einer ORF-Mitarbeiterin – im Raum stehen anzügliche Nachrichten und letztlich auch intime Fotos – sei es zu "keiner klaren Abwehrhaltung" der Frau gekommen.
Ein Fehlverhalten Weißmanns liege dennoch vor, erläuterte Westenthaler. Der Rücktritt Weißmanns sei demnach zu Recht erfolgt. Doch was führte zum Sturz des Intendanten? Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es ein heftiges Gezerre um den Pensionsvertrag des langjährigen ORF-Managers Strobl (Jahresgage: 450.000 Euro) gegeben haben dürfte.
Dies hatte dieser selbst via "Standard" öffentlich gemacht und bestätigt, dass Weißmann die ihm von Vorgänger Wrabetz zugesicherte Zusatzpension nicht habe umsetzen wollen. Darüber hinaus bezichtigte er den abgetretenen Küniglberg-Boss des Mobbings.
Westenthaler hinterfragt auch die Rolle des Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer. Er ortet einen "Moloch aus Intrigen" am Küniglberg. Es gehe um Macht und wohl auch Millionen an Abfertigungen. Westenthaler: "Aber das wird ein Fall für die Gerichte."