Die Affäre rund um den zurückgetretenen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sorgt weiter für politische und interne Turbulenzen. Nun meldet sich ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler mit deutlicher Kritik am Vorgehen in der Causa zu Wort – und fordert, dass Weißmann selbst vor dem Gremium angehört wird.
Ausgangspunkt der Entwicklungen war vergangene Woche. Am Mittwoch wurde der ORF-Stiftungsrat über den Anwalt einer ORF-Mitarbeiterin mit Vorwürfen sexueller Belästigung gegen Weißmann konfrontiert. Dem Gremium wurden dabei auch zahlreiche Chat-Dokumente übermittelt, die aus dem Zeitraum von kurz vor der ORF-Wahl 2021 bis Ende 2022 stammen.
Über den Kontakt zwischen der Mitarbeiterin und dem damaligen ORF-Chef gibt es unterschiedliche Darstellungen. Aus dem Umfeld der Frau heißt es, es habe keinen körperlichen Übergriff gegeben. Allerdings soll Weißmann Nachrichten mit sexualisiertem Inhalt in Bild, Ton und Text verschickt haben. Diese sollen laut Darstellung einseitig gewesen sein. Von der Mitarbeiterin selbst sei lediglich eine kurze Geburtstagsgratulation gekommen.
Im Zuge der Causa kam es schließlich zum Rücktritt Weißmanns. Laut "Krone" brachte der Anwalt der Mitarbeiterin zudem zwei Forderungen ein: Weißmann soll die Anwaltskosten der Gegenseite übernehmen und mindestens 25.000 Euro an ein Caritas-Frauenhaus in Wien spenden. Über diese Punkte laufen derzeit noch Verhandlungen.
Für zusätzliche Spannung sorgt nun eine E-Mail von ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler an den Vorsitzenden des Gremiums, die "Heute" vorliegt. Darin übt er scharfe Kritik an dessen Vorgehen und wirft ihm vor, den Stiftungsrat zu spät eingebunden zu haben. Wörtlich schreibt Westenthaler: "Nach Meinung mehrerer Experten haben Sie sich mit ihren Alleingängen im Zeitraum 4.3.2026 bis 9.3.2026 pflichtwidrig zum Schaden des Unternehmens ORF verhalten, weil sie den ORF-Stiftungsrat sechs Tage lang weder informiert noch eingebunden haben."
Westenthaler verweist in seiner Mail außerdem auf eine mittlerweile vorliegende rechtliche Erwiderung der Anwälte des ehemaligen ORF-Chefs. "In Wahrheit werden damit ihre Erklärungen massiv erschüttert und ihre Ausführungen insgesamt öffentlich als unwahr dargestellt."
Vor der nächsten Sitzung des Stiftungsrates fordert der Stiftungsrat deshalb eine Anhörung des früheren Generaldirektors. "Ich ersuche Sie daher eindringlichst Herrn GD a.D. Roland Weißmann, der bisher alle Vorwürfe via Anwalt bestritten hat, zur Sitzung des ORF-Stiftungsrates einzuladen um ihm die Möglichkeit einer Anhörung zu gewähren."
Für Westenthaler sei eine solche Anhörung ein grundlegendes Prinzip. "In Demokratie und Rechtsstaat ist die Anhörung aller Beteiligten ein unverbrüchliches Grundprinzip und kann nicht von eigenmächtig und abgehoben agierenden Funktionären – auch und schon gar nicht von einem politisch besetzten Vorsitzenden des Stiftungsrates – übergangen oder gar ausgeschalten werden."