Stiftungsräte im Visier

ORF-Aufstand der Redaktion – vier Chefs sollen gehen

Der ORF-Redaktionsausschuss sieht den Sender in einer schweren Krise und spricht der Spitze des Stiftungsrats unmissverständlich das Misstrauen aus.
Wien Heute
15.04.2026, 19:41
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Nächstes ORF-Beben nach dem Weißmann-Rücktritt und der Beurlaubung von Enterprise-Chef Oliver Böhm. Nun wird gegen den mächtigen Stiftungsrat geschossen. Der ORF-Redaktionsausschuss sieht den Sender in einer "schweren Krise" und fordert daher die komplette Neuaufstellung des Gremiums inklusive Misstrauens-Votum – wir berichteten.

Auslöser sind u.a. der Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann, Debatten über hohe Gehälter sowie Vorwürfe rund um Machtmissbrauch und ein toxisches Arbeitsklima. Trotz der Turbulenzen betonen die Journalisten via Aussendung, dass die Berichterstattung im ORF weiterhin "ausführlich, kritisch und mit der nötigen Distanz" funktioniere.

Scharfe Kritik gibt es jedoch am Stiftungsrat: Das aktuelle System funktioniere so nicht. Viele Mitglieder hätten kaum journalistische Kompetenz, stattdessen seien Lobbyisten und Interessenvertreter stark vertreten. Der Rat müsse künftig mit unabhängigen Fachleuten – auch international – neu besetzt werden.

Besonders brisant sind die Vorwürfe gegen die Spitze: Die Funktionen von Vorsitzendem Heinz Lederer und seinem Stellvertreter Gregor Schütze als Leiter des SPÖ- bzw. ÖVP-Freundeskreises sei "nicht vereinbar mit einer unabhängigen Führung des gesamten Gremiums".

Konkret wird von Interventionen für Kunden berichtet – etwa bei der Berichterstattung. Auch der Versuch, "über den Generaldirektor Druck auf die Redaktion aufzubauen", wird kritisiert. Generell sei die fehlende Transparenz über Auftraggeber "fragwürdig" und würde Befangenheitsvorwürfe nähren.

Zusätzlich sieht die Redaktion auch die Rolle der FP-Stiftungsräte Peter Westenthaler und Thomas Prantner "problematisch", da ihre Äußerungen die Arbeit der ORF-Journalistinnen und Journalisten diffamieren würden. "Daher spricht der Redaktionsausschuss den vier namentlich genannten Stiftungsräten einstimmig das Misstrauen aus", heißt es.

Es dürfe "keinen Platz geben für unangebrachtes Verhalten, persönliche Vorteile, Freunderlwirtschaft, Intransparenz und Unvereinbarkeiten". Auch die Politik wird adressiert: Die angekündigte Entpolitisierung müsse umgesetzt werden, um die Unabhängigkeit des ORF zu sichern.

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