Opposition attackiert Babler

"Blamage, Tragödie" – Brutaler ORF-Streit im Parlament

Die jüngsten ORF-Enthüllungen haben am Donnerstag im Nationalrat für heftige Szenen gesorgt. Die Abgeordneten gingen dabei hart aufeinander los.
Nicolas Kubrak
23.04.2026, 10:09
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Im Parlament flogen die Fetzen: Auslöser war eine von der FPÖ verlangte Aktuelle Stunde unter dem Titel "Drogen, Mobbing, Gagenexzesse – der ORF verkommt vom Leitmedium zum medialen Schandfleck". Die Abgeordneten lieferten sich dabei einen scharfen Schlagabtausch.

FPÖ will dem ORF Geldhahn zudrehen

FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker zeichnete ein düsteres Bild der Lage im ORF. Was sich dort abspiele, sei "eine Blamage" und gleiche einer "Tragödie, die live abgespielt wird". Besonders dramatisch sei, dass die Bevölkerung durch die Haushaltsabgabe gezwungen sei, diesem Geschehen zuzusehen.

Der Rücktritt des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann sei "unglaublich eigenartig" gewesen. "Bis heute weiß keiner, was wirklich passiert ist", so Hafenecker. Scharfe Kritik gab es auch am ORF-Manager Pius Strobl, den der FP-Mediensprecher als "Gagenkaiser" bezeichnete.

Auch der Stiftungsrat geriet ins Visier: Dessen Vorsitzender Heinz Lederer sei ein "Lobbyist der Sonderklasse", die bestehenden Strukturen seien nicht mehr tragbar. Hafenecker forderte personelle Konsequenzen und eine grundlegende Reform: Der "Geldhahn" müsse zugedreht, die "Zwangsgebühren" abgeschafft und der Stiftungsrat in seiner jetzigen Form aufgelöst werden.

Vizekanzler kündigt ORF-Reform an

SPÖ-Chef Andreas Babler schlug einen anderen Ton an und stellte die Vorwürfe von Machtmissbrauch in den Mittelpunkt. Die bekannt gewordenen Chatnachrichten würden eine "sehr klare Sprache" sprechen: Es gehe um Druck auf eine Mitarbeiterin durch einen mächtigen Mann. Dieses Problem sei kein Einzelfall, sondern strukturell, betonte Babler. Gerade der ORF habe hier eine Vorbildfunktion, doch das Thema gehe weit über den Sender hinaus, da viele Frauen ähnliche Erfahrungen machten. Solches Verhalten dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Gleichzeitig unterstrich Babler die Unabhängigkeit des ORF, die jedoch nicht mit Verantwortungslosigkeit verwechselt werden dürfe. Die zuständigen Gremien müssten für eine transparente Aufklärung sorgen. Eine Reform des ORF sei bereits geplant und solle im Herbst starten – mit dem Ziel eines "freieren und stärkeren" öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

"Sex, Drugs and Machtmissbrauch"

Auch aus den Reihen der ÖVP kam deutliche Kritik. Generalsekretär Nico Marchetti sprach von einem "katastrophalen Bild", das der ORF derzeit abgebe. Die Skandale hätten das Vertrauen massiv beschädigt – "Sex, Drugs and Haushaltsabgabe", dafür hätten die Menschen kein Verständnis.

"Sex, Drugs and Machtmissbrauch": ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti kritisierte den ORF für sein "katastrophales Bild".
APA-Images / APA / TOBIAS STEINMAURER

Marchetti forderte konkrete Maßnahmen in drei Bereichen: Erstens brauche es eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe, inklusive Veröffentlichung von Compliance-Berichten und externer Prüfungen. Zweitens müsse rasch ein neues ORF-Management bestellt werden – idealerweise mit "frischem Wind von außen", um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Drittens seien Reformen der gesetzlichen Grundlagen notwendig. Der ORF brauche ein "Rendezvous mit der Realität", so Marchetti.

Grüne: "Babler hat versagt"

Die Grünen forderten ebenfalls Aufklärung und Konsequenzen, übten jedoch scharfe Kritik an mehreren politischen Lagern. So würde sich die FPÖ als Aufklärer inszenieren, sei aber in Wahrheit "Brandstifter", die Blauen hätten den ORF jahrelang attackiert, um ihn zu schwächen.

Gleichzeitig machte Maurer die Regierung für die aktuelle Krise mitverantwortlich: Diese sei das Ergebnis politischen Versagens im Medienbereich. Statt Parteipolitik aus den ORF-Gremien herauszuhalten, habe man diese im Gegenteil "parteipolitisch abgesichert". Besonders kritisierte sie das Verhalten von Stiftungsratschef Heinz Lederer sowie das Schweigen Bablers angesichts eskalierender Machtkämpfe.

Es brauche einen grundlegenden Bruch mit bestehenden Strukturen, mehr Professionalität und eine klare Reformpolitik. Der ORF gehöre nicht der Regierung, sondern den Menschen, die ihn finanzieren, betonte Maurer.

{title && {title} } nico, {title && {title} } 23.04.2026, 10:09
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