Am Küniglberg bebt es weiter. Die Affäre rund um Ex-ORF-Chef Roland Weißmann zieht immer größere Kreise – und mit ihr wächst der Druck auf Interimschefin Ingrid Thurnher. Neue Chat-Veröffentlichungen, Interviews und sogar eine Klage gegen ein Medium heizen die Stimmung weiter an.
Thurnher steht plötzlich im Zentrum des Machtkampfs. Von allen Seiten wird an ihr gezerrt: Die FPÖ fordert eine vorgezogene Wahl der ORF-Spitze schon im Juni. Gleichzeitig soll Thurnher künftig keine Personalentscheidungen mehr alleine treffen dürfen – ein klares Signal, dass ihr Spielraum eingeschränkt werden soll.
Auch aus der ÖVP kommt Unterstützung für eine frühere Wahl. Hinter den Kulissen ist längst ein politisches Ringen um Einfluss entbrannt. Denn durch die Turbulenzen sind alte Machtverhältnisse ins Wanken geraten – die Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer (SPÖ) und Gregor Schütze (ÖVP) sind selbst ins Visier geraten.
Für Thurnher bedeutet das: Sie muss sich rechtfertigen – vor dem Stiftungsrat, vor der Politik und auch intern. Denn im ORF selbst sorgt das Chaos für Unruhe. Mitarbeiter blicken mit Sorge auf die eskalierenden Konflikte in der Führungsetage. Thurnher versuchte zuletzt, in einem Video zu beruhigen und rief dazu auf, Übergriffe oder Anfeindungen zu melden.
Gleichzeitig steckt der ORF in einer massiven Imagekrise. Chats, Klagen und Gerüchte über Machtmissbrauch beschädigen das Vertrauen nachhaltig. In so einer Lage wird oft ein Verantwortlicher gesucht – und viele Augen richten sich derzeit auf die Interimschefin.