"Inakzeptabler Umgangston"

"Heast, Oide" – Ex-Journalistin packt über ORF aus

Brigitte Handlos war bis 2020 im ORF tätig. In einem Interview gab sie nun Einblicke zum Umgangston, der im Unternehmen herrschen soll.
Newsdesk Heute
13.03.2026, 21:00
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Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Ex-Generaldirektor Roland Weißmann kommt der ORF nicht mehr aus den Schlagzeilen. Jetzt hat sich die ehemalige ORF-Journalistin Brigitte Handlos zu Wort gemeldet.

Sie selbst war bis 2020 für den ORF tätig, im Jahr 2007 war Handlos Mitbegründerin der Taskforce "Frauen im ORF", die sich für Frauenrechte im Unternehmen einsetzt. Im Interview mit der "Presse" gesteht sie sich nun ein, dass man offensichtlich nicht erfolgreich genug war.

"Infantiles Frauenbild"

Der Fall rund um den nunmehrigen Ex-Generaldirektor habe Handlos sehr erschüttert, da sie ihn bereits sehr lange kenne. Einst sei Weißmann ihr Stellvertreter gewesen, dennoch stellte die Ex-Journalistin klar, dass man gerade als Generaldirektor nichts Inkriminierendes verschicken dürfe.

Handlos glaube, dass Weißmann zwar ein "infantiles Frauenbild", doch im ORF gebe es noch "viel Ärgere". Dies habe sich in den letzten Jahren auch nicht verbessert – ganz im Gegenteil. Laut Handlos gebe es "gerade unter den Jüngeren" auch "ganz viele feine Kollegen", aber eben auch eine "alte Riege von Männern", die endlich dazulernen müssten.

In dem Interview lieferte Handlos auch Beispiele für den Umgangston gegenüber Frauen am Küniglberg. "Ich meine, am Gang kommt mir Pius Strobl entgegen und schreit 'Heast, Oide'", schildert die Ex-Journalistin.

Vorwürfe gegen ORF-Granden

An Strobl ließ Handlos im Gespräch mit der "Presse" insgesamt kein gutes Haar: "Wenn ich jetzt aber lese, dass sich Pius Strobl auch als Opfer sieht, könnte ich durch die Decke knallen". Ihr zufolge habe Strobl bei vielen Menschen seine Macht ausgespielt.

Aber auch gegen andere ORF-Granden zog Handlos vom Leder. So auch gegen den Ex-General und nunmehrigen Rapid-Präsidenten Alexander Wrabetz. Auch er habe in seinen drei Amtsperioden viel an dieser Kultur verschuldet.

"Opfer-Täter-Umkehr"

Handlos könne auch verstehen, dass sich die Frau, die Vorwürfe gegen Weißmann erhoben hatte, sich an einen Anwalt anstelle einer internen Stelle im ORF gewandt hatte. Oft würde dadurch nämlich das Gegenteil von dem passieren, was die Betroffenen wollen.

Demnach wäre man dann plötzlich "eine Persona non grata". Männer würden sich dann über einen lustig machen, zudem werde man auch in der Karriere behindert. Handlos erklärte, dass es auch in manchen Fällen zu einer "Opfer-Täter-Umkehr" gekommen wäre.

Erwartungen an Thurnher

Trotz alledem denkt Handlos, dass sich durch den aktuellen Fall etwas am Verhalten der Männer im ORF ändern werde. Weißmann sei jetzt nämlich "auf beruflicher Ebene erledigt". Diese Sprache würde auch von den "unbelehrbaren Männern" im Unternehmen verstanden werden.

Von der interimistischen Generaldirektorin, Ingrid Thurnher, erhoffe sich Handlos eine Verbesserung. Thurnher sei selbst lange in der Gleichstellungskommission gesessen, daher kenne sie auch "etliche Fälle". Die Ex-ORF-Mitarbeiterin hat den Glauben, dass Thurnher hier wirklich etwas ändern wolle.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.03.2026, 21:03, 13.03.2026, 21:00
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