Eigentlich sollte der ORF die Schlagzeilen liefern – doch aktuell kommt der Rundfunk selbst aus diesen nicht mehr heraus. Und das dürfte sich so schnell auch nicht mehr ändern.
Wie umfassend berichtet, trat Generaldirektor Roland Weißmann zurück, nachdem ihm von der Stiftungsratsspitze per ORF-Aussendung sexuelle Belästigung unterstellt wurde. Eine Beschreibung, die aber offenbar alles andere als zutreffend ist. Der Ex-General zieht deswegen vor Gericht, klagt fast vier Millionen Euro Verdienstentgang ein.
Bei "Krone"-Koryphäe Conny Bischofberger packt der 58-Jährige jetzt über die aufwühlendste Zeit seines Lebens aus. Doch es gibt auch Lichtblicke: Selbst am Weg zum Interview sei er von einer Frau auf der Straße mit aufmunternden Worten angesprochen worden.
Wieder betont er, von der Spitze des Stiftungsrats zum Rücktritt gedrängt worden zu sein. Dieser sei "alternativlos" gewesen, "völlig egal, ob das stimmt oder nicht", zitiert Weißmann im Interview. Ihm sei versprochen worden, dass, wenn er schnell zurücktritt, die Vorwürfe nicht publik gemacht werden. Beim Gerichtsprozess werden dann die vier involvierten Stiftungsräte unter Wahrheitspflicht aussagen müssen.
Erstmals davon erfahren habe er beim Abendessen in einem Lokal. "Da ist mir der Bissen im Hals stecken geblieben." Unstrittig ist, dass er über längere Zeit ab 2019 ein Verhältnis mit der Betroffenen hatte – "alles einvernehmlich und wechselseitig", beteuert er. Das sei auch das Ergebnis der Compliance-Untersuchung des ORF, durch die er sich "zu 100 Prozent rehabilitiert" sieht.
"Was mich so empört ist, dass der Vorwurf selbst nie geprüft wurde", resümiert er in der "Kronen Zeitung" über die "schwierigsten sechs Wochen" seines Lebens. Pikant: Bis dato habe er vom ORF noch immer keine offizielle Kündigung übermittelt bekommen.
Apropos pikant: Über die konkreten Inhalte der Nachrichten und etwaiger Fotos will er nichts sagen. "Ich habe alles vor der Compliance offengelegt, und sie ist zum Schluss gekommen: keine sexuelle Belästigung. Mehr will ich dazu nicht mehr sagen."
Als "völlig unzulässig" bezeichnet er das Vorgehen, an die Medien zu gehen, bevor die Vorwürfe geprüft wurden. "Wie lebe ich mit diesem Albtraum?", fragte er sich damals. "Heute geht es wieder. Aber in den letzten Wochen bin ich durch die Hölle gegangen."
Mittlerweile stellt er sogar die Frage, wer hier überhaupt das Opfer ist. Die Betroffene habe Weißmann noch im März 2025 von sich aus kontaktiert und zum Geburtstag gratuliert. Über Motive will er nicht spekulieren. "Mir geht es nicht um Rache, mir geht es um Gerechtigkeit" – und die Wiederherstellung seines Rufs.