"Hartes Sitzfleisch": Das hat die interimistische ORF-Generaldirektorin den Stiftungsräten vor Beginn der Sitzung am Donnerstagvormittag gewünscht. Und das dürften sie auch brauchen.
Denn die Sitzung, die zu Mittag noch im Gange war, ist weit mehr als Routine. Ursprünglich wäre nur die Wahl der Interims-Führung bis Ende des Jahres auf dem Programm gestanden. Doch die Entwicklungen rund um die Skandale der vergangenen Wochen verleihen dem Treffen enorme Brisanz.
Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler erwartet von der Sitzung nicht weniger als am Ende "eine Reihe von Kündigungen". Denn wenn Ex-Generaldirektor Roland Weißmann aufgrund des "Anscheins unangemessenen Verhaltens" rausgeschmissen worden sei, müsse man sich auch die Berichte zu Ex-ORF-NÖ-Direktor Robert Ziegler und ORF-III-Chef Peter Schöber genau ansehen.
Er will in diesem Zusammenhang von Thurnher "volle Transparenz. Alles muss auf den Tisch". Dazu zählt Westenthaler auch den Pensionsvertrag von Pius Strobl, der laut Transparenzbericht der Gagenkaiser am Küniglberg ist.
Ein Thema in der Sitzung sind auch mögliche Unvereinbarkeiten der Stiftungsräte. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Lobbying-Tätigkeit der beiden Vorsitzenden Heinz Lederer und Gregor Schütze diskutiert worden. Lederer selbst ortet keine Interessenskonflikte – obwohl er etwa den Skiverband berät, der mit dem ORF Fernsehrechte und Verträge aushandelt.
Wie berichtet hatte ja der Redakteursrat des ORF vier Stiftungsräten, darunter eben Lederer und Schütze, einstimmig das Misstrauen ausgesprochen und sie zum Rücktritt aufgefordert.
Das "Hearing" der Bewerber für den Interims-Chefsessel dürfte eine einseitige Sache werden. Denn von den elf Bewerbern für den Job wurde lediglich die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher eingeladen.
Umso spannender wird, wie sie mit der von Westenthaler geforderten Transparenz umgeht. Der hatte ja angekündigt, sie nur dann zu wählen, wenn sie eben "alles auf den Tisch" legt. Aber selbst dann will er ihre Macht beschneiden.
Denn in einem Antrag fordert er, dass – sollte sie den Interims-Job weiterhin ausüben – Thurnher keine eigenständigen Entscheidungen wie etwa Verträge oder Personalie treffen kann. Diese müssten in Absprache entweder mit dem neuen Chef, der am 11. Juni gewählt wird, oder davor mit dem Stiftungsrat getroffen werden.